9 Innovationsoptionen für Mittelständler im Internet der Dinge
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9 Innovationsoptionen für Mittelständler im Internet der Dinge

Für Mittelständler stellt sich oft die Frage, wie sie trotz begrenzter Ressourcen innovationsbasierte IoT-Lösungen in ihrem Unternehmen einsetzen können. Unterschiedliche Modelle bringen dabei verschiedene Vorteile. In einer Studie haben wir die wichtigsten Modelle analysiert und bewertet.

Während multinationale Großunternehmen meist über ausreichend personelle, finanzielle und Entwicklungsressourcen verfügen, um sich mit neuen digitalen und IoT-basierten Lösungen auszustatten, müssen kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) mit weniger Möglichkeiten auskommen. Dennoch steht auch ihnen ein vielfältiges Angebot an Innovationsoptionen offen, das von Corporate Ventures über den Einsatz von Company Buildern bis hin zu Accelerator-Programmen reicht.

In einer im September 2017 veröffentlichten Studie, haben wir die neun wichtigsten Modelle analysiert und bewertet. Für welches Modell sich Mittelständler und kleine Unternehmen entscheiden, ist vom gewünschten Ausmaß der IoT- Innovation abhängig. Keiner der Befragten in unserer Umfrage hat alle der neun Kooperationsmodelle in seinem Unternehmen implementiert.

Allerdings fahren einige KMUs mehrgleisig, indem sie in kleinen Projekten zeitgleich verschiedene Arten der Innovationspartnerschaft testen. Nach einigen Monaten evaluieren sie die Ergebnisse, um das am besten geeignete Modell zu ermitteln.

1.  Externer Full-Service Anbieter

Die am häufigsten genutzte Form der Kooperation (44%). Es werden Dienstleitungen und Produkte eines Anbieters eingekauft, die bereits fertig und einsatzbereit sind. Durch Nutzung standardisierter Lösungen wird eine schnelle Markteinführung und der Zugriff zu externer Technologiekompetenz ermöglicht.

Die Beanspruchung der Leistungen eines Full-Service-Anbieters bringt in der Regel hohe Kosten und birgt Risiken wie einen Lock-In Effekt. Ist die Anbindung erst einmal gegeben, so wird der Wechsel zu einem anderen Anbieter sehr teuer. Zudem muss auf eine schnelle Anpassung, Verbesserung oder Änderung verzichtet werden. Firmen vergleichen IoT-Anbieter oft durch parallele Proof-of-Concept Projekte, um dann den Erfolg der Lösung und der Kooperation zu evaluieren.

2. Corporate Ventures

Eine Form, die zumeist größeren Unternehmen vorbehalten ist und mit 36% auch die am zweithäufigsten genutzte. Das KMU gründet einen eigenen Venture-Capital-Arm, der auf relevanten Gebieten strategische Investitionen in Startups vornimmt. Durch diese strategischen Investitionen werden Einblicke in Technologien und Trends aus erster Hand möglich, die eine schnelle Reaktion und technologische Durchbrüche ermöglichen. Es muss jedoch beachtet werden, dass ein Prozess für den Wissenstransfer zwischen Unternehmen und Startup erforderlich ist. Außerdem ist es Ressourcen-intensiv und es sind Investment-Expertise und die Schaffung eines starken Netzwerks in den neuen Bereichen nötig.  Ein Maschinenbauer aus Süddeutschland verriet, dass das Hauptziel ihrer Corporate Venture Unternehmung nicht finanzieller Natur ist, sondern die Herstellung einer Verbindung zu bestimmten heißen Themen, die andernfalls nicht betrachtet würden.

3. Company Builder /Agentur

Eine weitere beliebte Form der Kooperation, welche sich mit der o.g. Form den zweiten Platz mit 36% teilt. Hierbei setzen KMUs auf eine Co-Kreation oder Co-Entwicklung mit Experten, die einen reibungslosen Ablauf des Innovationsprozesses sicherstellen sollen. Es werden 2 Ansätze unterschieden:

Der traditionelle Ansatz – Agentur

Große Beratungsfirmen haben digitale Tochtergesellschaften gegründet, die ihren Klienten beim Innovationsprozess zur Seite stehen sollen. Sie fungieren als Unternehmenspartner mit Risikobeteiligung für die gesamte Dauer des Projektes. Eine schnelle Markteinführung wird ermöglicht und um diesen Prozess zu beschleunigen werden zumeist hochkompetente Leute bereitgestellt, die allerdings auch mit überdurchschnittlichen Gehältern alles andere als kostengünstig sind. Als Nachteil des traditionellen Agenturansatzes ließe sich auch anführen, dass Agenturen ihren Schwerpunkt oft darauf auslegen, über einen längeren Zeitraum hinweg Beratungsleistungen bereitzustellen. Dadurch übernehmen sie häufig wenig Verantwortung für Ergebnisse und KPIs. Ein Beispiel für IoT Innovation mit Hilfe einer Agentur ist der Bosch Coup Elektro-Roller Sharingdienst, welcher aus einer Kooperation zwischen der BCG Digital Ventures und Gogoro entstand.

Neuer Ansatz – Company Builder

Company Builder entwickeln gemeinsam das Produkt und unterstützen mit ihren Kompetenzen.

In ihrer Rolle als Anteilseigner haben Company Builder sowohl an den Risiken als auch an den Erfolgen der Neugründung teil und verfolgen dieselben Ziele. Der Company Builder entwickelt innerhalb seines Netzwerks eine Idee und gründet selbst Startup- Firmen. Erst später kommen die KMUs mit einer Partnerschaft ins Spiel. Es wird dann gemeinsam ein Joint Venture Startup gegründet, die von beiden Partnern (Company Builder und KMU) finanziert werden. Der Company Builder übernimmt daraufhin die Co-Entwicklung der Produkte für ein KMU.

Ein solches Beispiel bieten die durch die Next Big Thing AG entwickelten Firmen  METR (Smarte Gebäude) und assistr (Digitale Produkte für die Pflege im Alter).

4. Strategische Partnerschaften

Das KMU kooperiert in strategischen Bereichen mit anderen Unternehmen und fixiert dies in der Regel mit einem Partnerschaftsvertrag. Strategische Partnerschaften können zu kürzeren Implementierungszeiten und besseren Resultaten führen, da Assets und Expertise kombiniert werden.

Durch einen Zusammenschluss kann eine hohe Innovationsqualität erzielt werden. Als Nachteile sollten angemerkt werden, dass es häufig nur auf allgemeine Absichtserklärungen beschränkt ist und/oder ein Ungleichgewicht zwischen den Partnern entstehen kann.

5. Inkubatoren / Accelerators

KMUs unterstützen mehrere Startups in relevanten Bereichen. Dies hat den Vorteil, dass ein direkter Zugang zu den Startups möglich wird. Als Nachteil ist anzumerken, dass Startup und KMU nicht immer perfekt zueinander passen. Auch ein Wissenstransfer zwischen den beteiligten Partnern ist beschränkt und die Form der Kooperation wirkt sich nicht auf das Innovationstempo im Kerngeschäft aus. Ein Beispiel für einen Inkubator mit IoT Fokus ist Breed Reply, vom italienischen Systemintegrationsanbieter Concept Reply.

6. Innovationslabors / Spin-Off-Programme

Bei dieser Variante gründet das KMU eine eigene Rechtseinheit, in Form von Innovationslabors oder Spin-Off-Programmen. Sie genießen ein größeres Maß an Innovationsautonomie und sind Forschungseinheiten, die die F&E ergänzen sollen. Aber gerade durch diese Autonomie ist es schwierig, wenn Produkte und Dienstleistungen wieder in das Kerngeschäft zurückgeführt werden sollen. So gründete beispielsweise der deutsche Energieversorger RWE das Tochterunternehmen Innogy SE, welches die Innovationseinheit, die sogenannte Innogy Innovation HUB, betreibt.

7. Direkte Kooperation mit Startups

Das KMU arbeitet direkt mit dem Startup zusammen (Co-Kreation-/Co-Entwicklung). Durch die grundsätzliche Verschiedenheit zwischen KMU und Startup müssen interne Prozesse angepasst werden. Zusätzlich sollte die Ungewissheit des Startups und der Technologie beachtet werden. Diese Form der Zusammenarbeitet bietet die Möglichkeit auf neueste Trends agil zu reagieren. Diverse weitere Studien belegen, dass der Trend in Richtung Zusammenarbeit mit Startups geht.

8. Innovationsökosysteme (Konsortien /Hochschulen)

Innovationssysteme werden von verschiedenen Organisationen gegründet und ein KMU hat dabei die Möglichkeit innerhalb dieser Struktur mitzuwirken und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Durch die Beteiligung vieler Mitglieder ist der Entscheidungsprozess nicht sehr schnell im Vergleich zu anderen Kooperationsmodellen. Sie bietet aber den Vorteil an zukünftigen Standards mitzuwirken und ermöglicht auch die Sicherstellung der Interoperabilität der IoT-Lösungen. Ein solches Kooperationsmodell stellt das Industrial Internet Consortium (IIC) dar, welches gegründet wurde, um die Entwicklung, Akzeptanz und verbreitete Nutzung vernetzter Maschinen zu beschleunigen.

9. Offene Innovation / Hackathon

Events wie Ideenwettbewerbe oder die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und Bildungseinrichtungen sind Innovationsinstrumente, die ein KMU nutzen kann. Dabei ist das breite Ideenspektrum von Vorteil. Es entstehen dabei hohe Koordinationskosten. Bei dem im März 2017 durchgeführten DENEFF Energy Efficiency Hackathon, der Lösungen für eine nachhaltige Zukunft hervorbringen sollte, kamen vielgestaltige fachliche Hintergründe zusammen, die Kreativpotenziale erschließen und Ideen präsentiert haben. Die Messlatte sollte allerdings nicht zu hoch angesetzt werden, da häufig Resultate zumeist nur teilweise getestet werden konnten und es zusätzlicher Weiterentwicklung bedarf.

Welches ist die beste Innovationsoption für das Internet der Dinge?

Gefragt nach der besten Innovationsoption für die kommenden Jahre, nannten die KMUs Produkte und Dienstleistungen von Full-Service-Anbietern (49 %), strategische Partnerschaften (49 %) und Corporate Ventures (48 %).

Auch Accelerators/Inkubatoren (40 %), Innovationslabors (35 %) und Innovationsökosysteme (29 %) schnitten erheblich besser ab als Kooperationsmodelle, die in der Vergangenheit genutzt wurden. Die Mehrheit der aufgeführten Innovationsoptionen sowie drei der fünf populärsten Modelle beinhalten die Einbindung von Startups. Allerdings ist die bloße Zusammenarbeit mit Startups kein Garant für den Erfolg, wenn die Unternehmen nicht wissen, wie eine solche Zusammenarbeit aussehen muss.

Weitere Informationen

Die 36-seitige Studie „Innovation durch IoT – Ein Handbuch“ detailliert diese Innovationsmodelle weiter und gibt Beispiele und Handlungsempfehlungen für KMUs und Mittelständler. Sie steht kostenlos auf der Webseite von IoT Analytics zum Download zur Verfügung.

Der Autor

Knud Lasse Lueth ist Marktexperte in den Bereichen IoT und Industrie 4.0. Er ist Geschäftsführer des Analystenhauses IoT Analytics, Autor zahlreicher Marktstudien zum Internet der Dinge und regelmäßiger Sprecher auf Digitalisierungsveranstaltungen. Herr Lueth lebt und arbeitet in Hamburg.

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