Ein Passwort fürs gesamte Netz
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Ein Passwort fürs gesamte Netz

Endlich Schluss mit lästiger Passwort-Suche: Die Single-Sign-on-Technologie bietet einfachen Zugang zu zahlreichen Internetdiensten – und schützt dennoch die Identität der User. Wie diese digitalen Generalschlüssel funktionieren. Und wie sich deutsche Anbieter in dem lukrativen Geschäft behaupten.

Nicht weniger als acht Zeichen, darunter mindestens ein Großbuchstabe und eine Ziffer, aber bitte kein Sonderzeichen – wer regelmäßig im Internet unterwegs ist, kennt das Dilemma: Wer einen Dienst oder Shop im Internet nutzen möchte, benötigt neben der Eingabe des Nutzernamens ein individuelles Passwort. Abgesehen von dem zu wählenden Begriff: Da fast jeder Anbieter eigene Regeln aufstellt, um ein solches Kennwort zusammenzusetzen, steigt die Zahl der benötigten Passwörter schnell an. Internet-Dienste wie Facebook oder Google erlauben den Nutzern daher schon länger, sich jeweils über ein anderes, schon bestehendes Konsumentenprofil per Universal Login einzuloggen. So kann man sich zum Beispiel mit seinem Facebook-Profil bei Instagram einloggen.

Neben amerikanischen sind nun auch deutsche Unternehmensallianzen dabei, diesen Single-Sign-On-Service zu bieten. Über Registrierungs-, Identitäts- und Datenplattformen geben sie Nutzern per einmaliger zentraler Registrierung ihrer Daten einen digitalen Generalschlüssel an die Hand. Zur Plattform verimi –eine Wortkombination aus „verify“ und „me“, „überprüfe mich“ – rund um den Axel Springer-Verlag gehören Partner wie Lufthansa, Telekom, Daimler, Allianz Versicherung, Deutschen Bank Kartendienst Here und die Bundesdruckerei. Bei verimi hinterlegt der Nutzer einmalig Namen und Password, um auf die bereits angeschlossenen Anwendungen dieser beteiligten Unternehmen zugreifen zu können. Die Nutzer können bei der Registrierung über eine entsprechende Einwilligung, das so genannte Opt-in, außerdem ausdrücklich entscheiden, welche Daten sie an welche Partnerunternehmen weitergeben möchten. „Dies wird künftig das Einloggen auf Web-Seiten deutlich vereinfachen und das Nutzen von Internetangeboten sicherer machen“, heißt es vonseiten des Unternehmens verimi-Webseite. Wer bestimmten Unternehmen diese Möglichkeit verwehren will, hat die Möglichkeit, das per Opt-out zu tun.

Die Plattform ist von Beginn an bewusst branchenübergreifend und offen konzipiert: Anwendungspartner oder andere Initiativen können sich anschließen und die Plattform gemeinsam mit den Gesellschaftern vergrößern und weiterentwickeln, so das erklärte Ziel. Weitere Funktionen zum einheitlichen Registrierungs- und Identifizierungsverfahren sollen laut verimi schrittweise hinzukommen, so etwa ein digitaler Behördenzugang (eGovernment) oder die Entwicklung digitaler Zahlungs- und Finanzdienstleistungen.

Zweite Allianz der Medienhäuser

Im Herbst letzten Jahres hat sich eine weitere Allianz deutscher Medien und Unternehmen gebildet: die „Log-in-Allianz“ von United Internet, der Mediengruppe RTL Deutschland und ProSiebenSat.1. Die drei Medienhäuser bieten ebenfalls ein übergreifendes Registrierungs- und Anmeldeverfahren. Zalando ist bisher das einzige Unternehmen, das sich dieser Allianz  angeschlossen hat. Das Prinzip: Die Nutzerdaten liegen bei dem jeweiligen Dienste-Anbieter, die Einwilligung wird von der Stiftung gesteuert.

Mit unserer Allianz schaffen wir einen überzeugenden Mehrwert für den Kunden“, sagt ProSiebenSat.1 Media. „Zugleich stärken wir den deutschen Digitalmarkt, indem wir ein Gegengewicht schaffen zu den monopolistischen und intransparenten Algorithmen der US-Spieler. Die Initiative ist ganz bewusst als offener Standard angelegt. Weitere Unternehmen sind explizit eingeladen, sich uns anzuschließen.“

Bereits zum geplanten Start im Frühjahr  2018 lassen sich auch die Services von Partnern mit einheitlichen Zugangsdaten verwenden. So kann der Nutzer zum Beispiel mit seinem Single-Sign-on-Konto nicht nur den Livestream von ProSieben nutzen oder das Angebot TV NOW der Mediengruppe RTL sowie E-Mails bei WEB.DE und GMX abrufen. Die Zugangsdaten öffnen auch den Zugang zum Shop von Zalando. Die drei Initiatoren des Projekts bringen mit einer gemeinsamen Reichweite von monatlich mehr als 45 Millionen Unique Usern (Quelle: Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung) die für den Projekterfolg kritische Größe bereits mit. „Die Log-in-Allianz bringt zwei große Vorteile mit: Sie verfügt über eine große Reichweite und eine große Zahl an bereits existierenden Log-in-Konten. Die drei ­Medienunternehmen erreichen gemeinsam 45 Millionen Agof-Nutzer“, sagt ProSiebenSat.1.

Gemeinsames Ziel beider Allianzen: nicht nur einer neuen Verordnung über Privatsphäre („E-Privacy“) Rechnung zu tragen, sondern auch der ab Mai 2018 geltenden neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung. Sie schaffen damit die Voraussetzung für eine datenschutzrechtlich zulässige Personalisierung von werblichen Angeboten und Inhalten, die den Präferenzen der Nutzer entsprechen.

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