Amazon und Uber: Mit langem Atem auf die letzte Liefer-Meile
Bild: @istock.com/blurAZ Posted on von Cloud Computing | Management

Schlagworte: , ,

Amazon und Uber: Mit langem Atem auf die letzte Liefer-Meile

Amazon Flex und UberRush wollen zum Teil ohne eigenen Fuhrpark und mithilfe des Prinzips der Share Economy die letzte Liefer-Meile zum Kunden besetzen. Doch hat das Geschäftsmodell der digitalen Newcomer auch langfristig Zukunft und geraten die Logistikriesen von DHL & Co. nun unter Druck?

Die Börse zeigte sich schon einmal beeindruckt: Als Amazon am 9. Februar ankündigte, im Großraum Los Angeles mit „Shipping with Amazon“ selbst in den Versandmarkt einzusteigen, gaben die Aktien der beiden US-Logistikriesen FedEx und UPS um über vier Prozent nach. Und das, obwohl Amazon das Projekt in Los Angeles nur als Test betrachtet. Dies berichtete unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters.

Letzte Meile zum Kunden als Nadelöhr

Amazon geht damit ein Thema an, das schon länger als Nadelöhr der Logistik gilt: die „letzte Meile“ zum Kunden. Um Lieferungen – vor allem für Kunden von „Amazon Prime“ – zu beschleunigen, hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits ein dichtes Netz an Versand-, Sortier- und Frischezentren errichtet. Einen guten Einblick in diese „Prime Economy“ gibt eine Extraseite von Reuters.

Um Lieferungen weiter zu beschleunigen, will Amazon das Logistik-Heft nun also zum Teil selbst in die Hand nehmen. Bislang vertraute der Versandhändler dabei ausschließlich klassischen Logistikdienstleistern. So macht UPS zum Beispiel zehn Prozent seines gesamten Umsatzes mit Amazon, bei FedEx sind es Analysten von Wolfe Research zufolge vier Prozent. Laut Wirtschaftswoche gehen bei der Deutschen Post DHL bislang sogar rund 30 Prozent des Paketumsatzes auf das Konto von Amazon.

Lieferungen ohne eigenen Fuhrpark

Das KEP-Geschäft (KEP, Kurier-Express-Paket-Dienst) auf der „letzten Meile“ ist lukrativ, macht es doch laut trademachines.de 30 Prozent aller logistischen Kosten aus. Dies hat auch Uber erkannt. Bereits im Herbst 2015 startete der Taxidienst mit UberRush in drei amerikanischen Metropolen seinen Lieferservice. Wie das Fachmagazin „Logistik Heute“ berichtete, erlaubt es der Service beispielsweise Unternehmen, Dienstleistern und Geschäften, ihre Waren über Uber innerhalb kürzester Zeit auszuliefern. Uber nutzt dazu sein Netz an Fahrern, die bereits über die Taxi-App verfügbar sind. Der Dienst richtet sich vor allem an kleine und mittelständische Dienstleister und innerstädtische Geschäfte, die über keinen hauseigenen Lieferservice verfügen oder ihre Lieferkapazitäten mit UberRush erweitern möchten.

Amazon Flex seit 2017 auch in Deutschland

Während sich UberRush noch vor allem auf den amerikanischen Heimatmarkt beschränkt, hat Amazon mit seinem vergleichbaren Dienst Amazon Flex auch in Deutschland bereits Fuß gefasst. Wie das Nachrichtenportal heise.de berichtet, können seit November 2017 private Fahrer nun auch hierzulande Pakete für Amazon ausliefern, wenn auch zunächst nur in Berlin. Fahrer sollen demnach per App die Zustellaufträge bekommen und sich frei für je vierstündige Lieferschichten an sechs Tagen der Woche eintragen können. Weitere Standorte in Deutschland seien geplant.

Jeder dritte LKW fährt ohne Ladung

Während Amazon Flex bisher nur Amazon-Pakete befördert, liefert UberRush bereits Pakete von Drittanbietern aus und überträgt damit laut trademachines.de sein erfolgreiches Geschäftsmodell auf den Paketmarkt. Hinzu kommt mit UberFreight ein Service für den LKW-Güterverkehr, der Fahrer und verfügbare Sendungen zueinander bringt, zumal jeder dritte Truck leer durch die Gegend fährt.

Langfristig gesehen besitzt Amazon gegenüber Uber als Logistikdienstleister einen großen Startvorteil im Markt, da das Versandunternehmen bereits über eine ausgebaute Flotte für den Transport der eigenen Ware verfügt. So hat Amazon 2016 40 Boeing 767-Flugzeuge für fünf Jahre angemietet. Zum Vergleich: Die deutsche DHL betreibt eine Flotte von rund 200 Flugzeugen. Das stets wachsende Kerngeschäft von Amazon sorgt zudem dafür, dass das Unternehmen seine Flotte weit besser auslasten kann als andere Logistikdienstleister. Mit dem resultierenden Kostenvorteil kann Amazon DHL, FedEx und UPS Marktanteile abjagen. Der Konkurrenzkampf zwischen Amazon und Uber wird deshalb – wenn überhaupt – auf der „letzten Meile“ zum Kunden entschieden.

Konkurrenz für DHL & Co.?

Allerdings gibt es zahlreiche Analysten, die bezweifeln, dass Amazon mit seinen bisherigen Initiativen eine wirkliche Konkurrenz für DHL, UPS & Co. darstellt. Das berichtete unter anderem die Washington Post. Sie zitiert Anthony Chukumba, Senior Analyst bei Loop Capital Markets in Chicago: „Amazon mietet 40 Flugzeuge, FedEx hat 659 – das lässt sich nicht miteinander vergleichen. Amazon verfügt mit Sicherheit über die beste Technologie, aber das reicht nicht. Nötig sind auch eine eigene Flugzeugflotte, LKWs, Menschen und Umschlagzentren. Zumindest wird der Erfolg auch bei Amazon nicht über Nacht kommen.“ Auch Helane Becker, Analystin bei der Investmentberatung Cowen, sagt laut Technologie-Fachportal „Cnet“: „Die Diskussion ist etwas aufgeblasen. Komplexe Logistiknetzwerke wie die von FedEx oder UPS lassen sich nur sehr schwer aufbauen.“

Viel Geld und langer Atem

Doch bedeuten solche Hindernisse nicht, dass Amazon und Uber nicht dennoch zu bedeutenden Playern werden können. Davon ist das Tech-Portal „Basicthinking“ überzeugt. So sollen beide Unternehmen gerade im Bereich der mittelständischen Unternehmen mit ihren einfachen, günstigen Logistik-Lösungen eine Rolle spielen können. Denn vor allem eines gilt es, nicht zu unterschätzen: Uber und Amazon haben beide die finanziellen Mittel und damit auch die nötige Zeit, um auf ihren Erfolg zu warten.

zurück zur Startseite

Kommentar

Wenn Sie die E-Mail-Adresse eingeben, die Sie bei Twitter oder Gravatar verwenden, erscheint Ihr Bild neben dem Kommentar.

mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder. Sie erhalten zur Freischaltung ihres Kommentars eine E-Mail. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.