„Best-of-Breed in der Cloud“
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„Best-of-Breed in der Cloud“

Public, Private und On-Premises, alles unter einem Dach zentral gemanagt: Im Unternehmen geht der Trend zur Multi Cloud. Dennoch empfiehlt Alexander Schmidt von der IT-Consultingagentur DEVDEER vor allem Microsoft. Wie das zusammenpasst, erklärt der technische Leiter im Interview.

DWW: Herr Schmidt, Sie sind seit zwei Jahrzehnten im Geschäft und kennen den Markt sehr gut. Was ist aus Ihrer Sicht aktuell die größte Herausforderung für Unternehmen im Bereich Cloud Computing?

Alexander Schmidt: Vor kurzem hätte man auf diese Frage noch antworten können: Unternehmen von der Notwendigkeit von Cloud-Diensten zu überzeugen. Doch mittlerweile sind die Skeptiker in der Minderheit. Die Herausforderung besteht nun darin, Unternehmen zu vermitteln, dass es nicht nur darum geht, irgendwie in die Cloud zu migrieren, sondern richtig.

DWW: Was verstehen Sie darunter?

Schmidt: Eine prozessuale Denkweise. Das heißt: Das große Ganze betrachten, statt Daten und Maschinen irgendwie in die Cloud zu heben. Als Microsoft-Experten schauen wir uns an, welche Prozesse sinnvoll in der Microsoft-Cloud-Welt abgebildet werden können. Aber wir sind keine Microsoft-Vertriebler, sondern eine IT-Architekturberatung mit Microsoft-Expertise. Das heißt, wir prüfen auch, welche Prozesse im Unternehmen möglicherweise anders als mit Microsoft-Lösungen abgebildet werden sollten. Und ziehen dabei auch hybride Modelle in Betracht, also eine Kombination aus On-Premises und Cloud, sodass Security und Compliance gewährleistet bleiben, um am Ende eine IT-Architektur zu erstellen, die genau auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten ist.

DWW: Wie gehen Sie dabei vor?

Schmidt: Unternehmen sollten sich zunächst die Frage stellen, welche Prozesse überhaupt in die Cloud sollen. Deshalb beginnen wir im ersten Schritt mit einer Anforderungsanalyse und der Abstimmung der strategischen Ziele, die ein Unternehmen mit seinem Cloud-Anliegen verfolgt. Darauf basierend sprechen wir eine Architekturempfehlung aus. Anschließend erfolgen Proof of Concepts, also Machbarkeitsprüfungen. Das heißt, wir weisen nach, dass unsere Architekturempfehlungen funktionieren – und zwar in einem iterativen Prozess. Danach geht es in die Umsetzung. Dabei verstehen wir uns als Teil einer Multi-Cloud-Consulting-Struktur: Wir als DEVDEER sind spezialisiert auf Microsoft. Für alles Weitere arbeiten wir mit einem umfassenden Partnernetzwerk zusammen, in dessen Zentrum die QSC AG steht. Wenn es etwa um Compliance geht, haben wir dafür im Netzwerk Compliance- und Security-Berater, die voll auf diese Themen spezialisiert sind.

DWW: Cloud-Dienste wirken sehr austauschbar. Selbst Experten sehen oft kaum Unterschiede. Virtuelle Maschinen, Entwicklungsplattformen oder Software aus der Cloud bekommen Unternehmen überall. Was spricht für Cloud-Dienste von Microsoft?

Schmidt: Vereinfacht lässt sich sagen: Wer reine Infrastruktur will, geht zu Amazon. Wer eine Entwicklungsplattform und vieles mehr aus der Cloud will, sollte zu Microsoft. Microsoft und AWS sind eigentlich gar keine Konkurrenten, weil sie völlig andere Zielgruppen haben. Platt ausgedrückt: AWS für Endkunden, Azure für Unternehmenskunden. Es gibt sicherlich Abstufungen dazwischen. Aber: Für Unternehmen mit Microsoft-Background führt abrechnungsseitig, produktseitig und dergleichen fast kein Weg an Azure vorbei, wenn wir über Public Cloud reden. Microsoft passt einfach besser zu Geschäftskunden, denn das Unternehmen setzt einen starken Fokus auf Produktivität. Außerdem sind Microsoft-Produkte bei Business-Kunden ohnehin sehr stark verbreitet. Daraus ergeben sich Synergie-Effekte, weil Azure, Sharepoint und Co. nahtlos mit einer bereits bestehenden Microsoft-Infrastruktur harmonieren. Für Kunden, die bereits SAP-, Salesforce-, Oracle- oder Linux-Server betreiben, würde ich eher nicht empfehlen, in Richtung einer Microsoft Cloud zu gehen, weil dann viele Synergie-Effekte auf der Strecke bleiben.

DWW: Wie zukunftsfähig ist ein derart gekapselter Ansatz in einer Welt, in der sich gerade alles in Richtung Multi Cloud entwickelt – also der Kombination von On-Premises mit Public- und Private-Cloud-Diensten unterschiedlicher Anbieter?

Schmidt: Sehr, denn es handelt sich gar nicht um einen gekapselten Ansatz. Im Gegenteil. Dazu muss man wissen: Der gesamte Azure-Bereich ist bei Microsoft von Leuten besetzt, die nicht aus dem Systemumfeld kommen, sondern aus dem Webentwicklungsumfeld. Was folgt daraus? Der Open-Source-Ansatz ist komplett eingewoben in das gesamte Azure-System. Und deshalb ist die Anbindung externer Clouds problemlos möglich. Wenn sich ein Kunde dafür entscheidet, bestimmte Komponenten in der Azure-Cloud zu fahren, spricht nichts dagegen, bestimmte andere Komponenten in einer anderen Cloud oder On-Premises zu betreiben. Und wer will, kann die gesamte IT-Architektur zentral über Azure steuern. Ich kann also eine ganze Umgebung bauen, mir dennoch virtuelle Maschinen woanders erstellen und diese trotzdem über Azure managen. Das ist Best-of-Breed in der Cloud.

DWW: Wie begegnen Sie Kundenbedenken, wenn ein Unternehmen nicht in eine Microsoft-Cloud gehen möchte, weil diese von einem US-amerikanischen Anbieter betrieben wird?

Schmidt: Edward Snowden hat in dem Bereich eine Lawine losgetreten. Seitdem glauben alle, dass sie von überall aus angreifbar sind. Dem begegne ich mit Fakten. Wir schauen uns mal an: Wie ist ein Microsoft-Rechenzentrum abgesichert? Und wie ist ein On-Premises-Rechenzentrum abgesichert? Aber egal, um welchen Aspekt es sich handelt, wichtig ist eine objektive Diskussion. Oftmals sind Gerüchte, Halbwissen oder einfach ein schlechtes Gefühl im Spiel. Wir konzentrieren uns auf Fakten, etwa auf Zertifizierungen, die nachweisen, dass europäisches Recht eingehalten wird – oder ähnliche Dingen, die belegen, dass Public-Cloud-Dienste aus den USA nicht per se unsicher sind.

DWW: Nicht für alle, aber für einige Anwendungsbereiche eignen sie sich nicht, oder? 

Schmidt: Das stimmt. Ein Beispiel ist der medizinische Bereich, ein anderes sind Anwendungen in der Rüstungsindustrie. In solchen Bereichen können Unternehmen keine Public Cloud eines amerikanischen Anbieters nutzen, weil das die Rechtsnorm verbietet. Ein klassischer Bereich, in dem das jedoch gar kein Problem ist, ist der Handel. Aber selbst hier geht niemand komplett in die Public Cloud. Nur bestimmte Dienste werden ganz gezielt in die Public Cloud ausgelagert. Dabei nutzen wir dezidiert einzelne Services von Public-Cloud-Anbietern, zum Beispiel Big Data Services. Und wir nutzen anonymisierte Daten, sodass keine Compliance-Probleme entstehen. So können Unternehmen bedenkenlos Big Data in der Cloud umsetzen. Andere, kritischere Dinge bleiben bei einem deutschen Anbieter wie QSC oder On Premises.

DWW: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Alexander Schmidt ist studierter Jurist und Wirtschaftsinformatiker und arbeitete als IT-Koordinator und Berater in verschiedenen Positionen u.a. für die Otto GmbH und Co. KG. Als jetziger Technical Lead der IT-Consultingagentur DEVDEER arbeitet er mit seinem Team Azure-Cloud-Lösungen für Kunden aus. Im Zentrum steht vor allem die Umsetzung von Projekten in den Bereichen Web-Services, Mobile Applikationen, Machine Learning und Big Data. Er engagiert sich außerdem in der Open Source-Szene rund um Microsoft und tritt als Speaker auf Konferenzen auf.

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