Bitcoin: Hype oder Wegbereiter für die Blockchain?
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Bitcoin: Hype oder Wegbereiter für die Blockchain?

Unsere Bitcoin-Umfrage gemeinsam mit dem Handelsblatt zeigt, dass Hype und Skepsis bei der Nutzung der Kryptowährung Hand in Hand gehen. Die steigende Verbreitung von Bitcoins lenkt aber auch die Aufmerksamkeit auf die disruptive Blockchain-Technologie.

Wenn es derzeit einen Hype an den Finanzmärkten gibt, dann ist es Bitcoin. Die digitale Währung, die 2008 im Jahr des Finanzcrashs von Unbekannten erfunden wurde, beflügelt die Phantasien und Träume von Anlegern und Investoren weltweit. Spekulative Bitcoin-Futures, bei denen nur auf den künftigen Kurs der Währung gewettet, aber nicht eine „Münze“ gekauft wird, wurden von der US-Börsenaufsicht CFTC mittlerweile genehmigt. Fonds werden aufgelegt. Der Kurs geht 2017 mit einer Wachstumsrate von 2.000 Prozent durch die Decke. In der Spitze erreicht er im Dezember 20.000 Dollar. Der Goldrausch ist in Form von Bitcoins zurück an den Märkten. In zinsschwachen Zeiten wie diesen zieht Bitcoin mit dem Versprechen auf hohe Renditen die Glücksritter offenbar magisch an. Die ersten Anleger sind durch Bitcoins Milliardäre geworden. Aber ist das auch nachhaltig?

Gemeinsam mit dem Handelsblatt haben wir daher in unserem aktuellen Morning Briefing Monitor ein breites Spektrum an Führungskräften und Wirtschaftsinteressierten befragt. Über 3.700 Teilnehmer/-innen haben Anfang Dezember ihre Meinung geäußert, ein hoher Wert. Das freut uns sehr und spiegelt gleichzeitig auch das große Interesse an diesem Thema wieder.

Hype und Skepsis gehen Hand in Hand

Unsere Bitcoin-Umfrage spiegelt gleichermaßen die Hoffnungen wie auch die Skepsis wider, die mit dem Höhenflug der Kryptowährung verknüpft sind. Immerhin 19 Prozent investieren nach eigenem Bekunden bereits in Bitcoin. Weitere 21 Prozent ziehen es in Erwägung. Die Teilnehmer halten Bitcoin vor allem als kurzfristige Geldanlage geeignet (49 Prozent). Größere Optimisten sehen in Bitcoin sogar Chancen für langfristige Investitionen (15 Prozent) oder eine Möglichkeit, sich gegen künftige Banken- und Finanzkrisen abzusichern. Als sei Bitcoin das neue Gold!

Diese Zuversicht wird von der Mehrheit jedoch nicht geteilt. 59 Prozent der Befragten sehen das Bitcoin-Hoch als eine gefährliche Blase. Für den großen Knall spricht fürwahr weitaus mehr als für einen nachhaltigen Erfolg. Die Gründe dafür bringt Karl-Heinz Land, der Geschäftsführer unserer auf Digitalisierung spezialisierten Tochtergesellschaft neuland.digital, auf eine griffige Formel: „Bitcoin hat einfach keinen nachhaltigen „Brennwert“. Die Substanz fehlt, der Charakter einer echten Währung, die weit verbreitet ist und mit der die Menschen wirklich bezahlen können.“

Prinzipiell sind Kryptowährungen wie Bitcoin, IOTA, LHC oder Ethereum zukunftsweisend. Sie spiegeln den Wunsch institutioneller wie privater Marktteilnehmer wider, sich von den regulierten Bankenmärkten abzusetzen. Wir sind sicher, dass das Geld digital wird. Welche der digitalen Währungen jedoch das Rennen machen wird, ist trotz des aktuellen Hypes um Bitcoin noch offen.

Zwar gibt es bereits heute einige Online-Angebote sowie auch Restaurants und Geschäfte, die Bitcoins akzeptieren, aber mit einer ubiquitären Währung ist die Verbreitung von Bitcoins nicht zu vergleichen. Bitcoin scheint nur für extrem risikofreudige Anleger geeignet – eine spannende Wette, vergleichbar mit einer hoch volatilen Aktie, aber noch lange nicht mit einer echten Währung. Bei einer Währung sucht man Stabilität. Davon kann bei Bitcoin jedoch noch keine Rede sein.

Die Kursrallye dürfte außerdem längst dazu geführt haben, dass kaum jemand noch mit Bitcoins für Produkte oder Services bezahlt – dafür ist jetzt jede Coin viel zu wertvoll. „Wenn jemand Anfang des Jahres ein Bitcoin, zum Kurs von etwa 1.000 Dollar, in einen Kühlschrank investiert hätte, wird er sich schwarzärgern. Aus heutiger Sicht hat er 20.000 Dollar investiert. Dafür hätte er auch eine Designerküche bekommen“, verdeutlicht Land das irrationale Moment im Bitcoin-Hype. Bitcoin dreht sich nur noch im Anlagekarussel.

Die Entwicklung kann aber auch noch aus weiteren Gründen kritisch gesehen werden: Das Transaktionsvolumen ist mit 300.000 pro Tag gering; auf diesen Wert kommen die großen Kreditkarten-Systeme in weniger als einer Minute. Zudem basiert Bitcoin auf einem System aus Rechenzentren, computergeschütztem Mining und der Bitcoin-Blockchain. Damit gehen noch zwei Nachteile einher. Erstens ist das Bitcoin-Netz ein Energiefresser. Schätzungen gehen davon aus, dass die Technologie hinter der digitalen Währung Bitcoins in diesem Jahr 35 Terrawattstunden beträgt. Das ist mehr als ein Zehntel des Stromverbrauchs in ganz Großbritannien. Zweitens gilt die Bitcoin-Blockchain noch als zu langsam; es gibt einen Zeitverzug bei Transaktionen.

Bitcoin – Wegbereiter für weitere Blockchain-Anwendungen

Kryptowährungen wie die Bitcoin haben aber auch einen anderen Charakter, den wir in Bezug auf seine Veränderungswirkung noch höher einschätzen: Kryptowährungen sind eine erste weithin sichtbare Anwendung der Blockchain-Technologie. Das bedeutet, Transaktionen werden in Blöcken hintereinandergeschrieben und auf vielen Rechnern dezentral gespeichert. Welche Vorteile hat dieses Verfahren?

  1. Die so entstehenden „Blockchains“ sind nahezu fälschungssicher.
  2.  Alle Schritte werden dokumentiert.
  3. Die Blockchain erlaubt Geschäfte „Peer-to-Peer“ von einer Person zur anderen, ohne Mittelsmänner.
  4. In manchen Blockchains können smarte Verträge hinterlegt werden, die zum Beispiel festlegen, wann und wie eine Zahlung verwendet werden darf.
  5. Zwischen den Vertragspartnern herrscht Transparenz.

Die zukünftige Welt wird von diesem „Protokoll des Vertrauens“ immens verändert. Komplette Überwachungs- und Autorisierungsfunktionen werden neu gestaltet. Die Blockchain ist also der wahre Nutzen des Projekts Bitcoin.

*Dieser Beitrag ist unter Mitwirkung von Karl-Heinz Land, neuland.digital, entstanden.

Der Autor

Dr. Frank Zurlino ist Geschäftsführender Partner bei Horn & Company mit den Schwerpunkten Strategie, Innovation und Organisation. Er ist zudem Geschäftsführer der auf digitale Transformation spezialisierten Tochtergesellschaft neuland.digital sowie Mitglied des Aufsichtsrats der QSC AG.

Horn & Company ist eine Top-Management-Beratung, geführt von Partnern mit der Erfahrung aus verschiedenen großen Beratungshäusern. Mit insgesamt über 80 erfahrenen Beraterinnen und Beratern liegt unser Beratungsfokus auf Strategie und Wachstum, Operative Effizienz sowie Restrukturierung. Horn & Company arbeitet für Industrie und Handel, Banken und Versicherungen. Projekte zur digitalen Transformation werden u.a. von der darauf spezialisierten Tochtergesellschaft neuland.digital betreut. Horn & Company hat in den letzten Jahren bei den führenden Beratervergleichen Top-Positionen einnehmen können. Hierzu gehören die auf breiten Managementbefragungen basierenden Awards „TOP CONSULTANT“ (2016 und 2017) sowie „HIDDEN CHAMPION 2018“, mit denen H&C zur absoluten Spitzengruppe der Top-Managementberatungen gezählt wird. Darüber hinaus wurde neuland.digital von brandeins in 2016 und 2017 zum Kreis der besten Berater für Digitalisierung aufgenommen. (www.horn-company.de, www.neuland.digital).

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