Deutschen fehlt Vertrauen in autonome Fahrzeuge
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Deutschen fehlt Vertrauen in autonome Fahrzeuge

Immer mehr Prototypen selbstfahrender Autos sind auf den Straßen der Welt unterwegs – auch in Deutschland. Seit Oktober 2017 testet die Deutsche Bahn beispielsweise die ersten fahrerlosen Busse. Doch laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom mangelt es den Deutschen noch an Vertrauen.

Wenn vom Auto der Zukunft die Rede ist, löst das oft Diskussionen aus. Während die einen das Potenzial von Vernetzung, Elektromobilität und Künstlicher Intelligenz betonen, beschäftigen sich die anderen eher mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Vollautomatisierung. Dabei sind selbstfahrende Autos keine Zukunftsmusik mehr, denn auf den Straßen der Welt sind laut Bericht der Computerwoche immer mehr Prototypen unterwegs.

Die USA und Großbritannien wollen bei der nächsten Stufe der technologischen Revolution ganz vorne mitspielen und haben bereits moderne Mobilitätskonzepte auf den Weg gebracht. Die britische Regierung plant beispielsweise, ab 2021 selbstfahrende Autos auf den Straßen zuzulassen berichtet ntv.

In Deutschland ist man eher noch vorsichtig: selbstfahrende Autos werden zwar getestet, allerdings fahren sie nicht vollautomatisiert und erregen kein Aufsehen in der öffentlichen Debatte. Wohl auch deshalb hat die Deutsche Bahn das bayerische Dorf Bad Birnbach ausgewählt und testet hier seit Oktober 2017 die ersten fahrerlosen Busse. Zurzeit fährt der Prototyp nur auf einer sehr kurzen Strecke von 700 Metern mit maximal 15 Stundenkilometern, soll ab diesem Jahr aber als deutschlandweit erster autonomer Linienbus zwischen dem Ortszentrum und dem Bahnhof von Bad Birnbach verkehren. Von einem vollautomatisierten Bus kann man allerdings deshalb nicht sprechen, weil die Route inklusive Haltestellen einmalig per Laserscanner in den Bordcomputer eingelesen werden musste.

Neue Studie belegt fehlendes Vertrauen

Dass das selbstfahrende Automobil in Deutschland nur langsam seinen Weg auf die Straße findet, ist wohl auch auf die wachsende Skepsis und die Ängste vieler Menschen zurückzuführen. Denn laut einer neuen Studie von Bitkom im Auftrag des Cloudanbieters  VMware können sich nur rund 40 Prozent der Befragten tatsächlich vorstellen, in ein selbstfahrendes Auto einzusteigen. Dem gegenüber stehen fast genauso viele, die sich nicht vorstellen können, in einem solchen Auto zu fahren (39 Prozent). Grund für das gespaltene Verhältnis der Befragten zu diesem Thema sind laut Computerwoche unter anderem die fehlenden Erfahrungswerte mit vollautomatisierter Technologie. Zwei Drittel der Befragten fehlt das Vertrauen in autonome Fahrzeuge.

Dabei spielt laut Studie das Thema Sicherheit eine entscheidende Rolle. 56 Prozent bemängeln, dass das Auto im Extremfall nicht in der Lage sei, die richtigen Entscheidungen zu treffen; 53 Prozent haben Angst davor, dass die IT gehackt werden könnte. Für 39 Prozent ist mangelnder Spaß am Autofahren der Grund für ihre Skepsis.

Subjektives Sicherheitsempfinden

Für die Automobilindustrie heißt das vor allen Dingen eins: Bei der Werbung für ihre neuen Modelle müssen sie erfinderisch sein, um die Verbraucher auf die positiven Effekte des autonomen Fahrens aufmerksam zu machen. Opel versucht es beispielsweise mit Selbstironie. In dem neuen Werbespot steigen vier Spieler von Borussia Dortmund in ein Auto ein, aber keiner setzt sich ans Steuer. Alle sind mit ihren Handys beschäftigt, das Auto fährt los und erst, als nach einigen Minuten die Frage fällt: „Wer fährt eigentlich?“, bricht Panik aus.

Was in der Werbung für Lacher sorgt, beschreibt tatsächlich ein grundlegendes Problem unseres Sicherheitsempfindens. Wenn es nämlich um autonomes Fahren geht, scheint unser subjektives Sicherheitsgefühl weniger stark ausgeprägt zu sein als wenn wir unser Leben einem Menschen – wie einem Piloten, Bus- oder U-Bahnfahrer – anvertrauen, bemerkt die Computerwoche. Akzeptieren wir also womöglich Fehler menschlicher Fahrer bereitwilliger als die autonomer Fahrzeuge?

Deutschland darf den Anschluss nicht verpassen

Trotz Sicherheitsbedenken spricht aber auch einiges für das selbstfahrende Auto. Experten rechnen damit, dass autonome Fahrzeuge beispielsweise die Anzahl der Unfälle massiv reduzieren werden. Denn laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung verursachen abgelenkte Fahrer rund 800.000 Unfälle im Jahr. Übermüdung oder die Nutzung von Smartphones während der Fahrt sind ein häufiger Grund für Verkehrsunfälle und weisen auf menschliches Versagen hin – ein Problem, das durch selbstfahrende Fahrzeuge verhindert werden kann.

Neben der Sicherheit gibt es noch weitere Vorteile, die für das selbstfahrende Auto sprechen. 47 Prozent der Befragten befürworten beispielsweise das einfachere Einparken und weniger Stress beim Fahren. 45 Prozent heben den effizienteren Kraftstoffverbrauch und 39 Prozent den geringeren CO2-Ausstoß hervor.

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