Deutschlands größter Digitalisierungskongress steht bevor
@silpion Posted on von Cloud Computing | Hot Topic | Management

Deutschlands größter Digitalisierungskongress steht bevor

Jedes Jahr treffen sich Branchen-Insider auf der solutions.hamburg. Auch die QSC AG ist in diesem Jahr mit mehreren Referenten vertreten. Ihre Themen: Nichts Geringeres als die größten Herausforderungen der digitalen Transformation.

Sie folgen in Scharen dem Ruf der Veranstalter in den hohen Norden Deutschlands: Auf der diesjährigen solutions.hamburg diskutieren ab dem 6. September drei Tage lang mehr als 5.000 Teilnehmer über Chancen und Risiken der digitalen Transformation. Die QSC AG ist in diesem Jahr mit spannenden Themen vertreten. In ihren Vorträgen verraten die Referenten des Cloud- und ITK-Anbieters, welchen Herausforderungen mittelständische Unternehmen aktuell gegenüberstehen, wie sich der Markt verändert – und weshalb sich insbesondere mittlere und kleine IT-Dienstleister in den kommenden Jahren massiv wandeln müssen, um den Veränderungen im Markt gerecht zu werden. Gerald Fehringer und Meik Brand von QSC geben im Interview bereits heute einen exklusiven Ausblick auf die Inhalte ihrer Vorträge.

DWW: Herr Fehringer, für die solutions.hamburg haben sich bereits 600 Referenten angekündigt. Hat man da als Referent keine Angst, dass der eigene Redebeitrag in der Masse untergeht?

Gerald Fehringer: Es wird sicherlich nicht jeder einzelne Besucher ausgerechnet unsere Vorträge hören. Aber ich mache mir absolut keine Sorgen, dass unsere Themen untergehen könnten, denn wir sprechen über einige der aktuell wichtigsten Herausforderungen der Digitalisierung.

DWW: Welche sind das Ihrer Ansicht nach?

Gerald Fehringer: Eine davon besteht im Aufbau einer Multi Cloud. Der Begriff ist noch relativ jung und deshalb noch nicht einheitlich definiert. Doch in einem sind sich aktuell so ziemlich alle einig: Monolithische Strukturen sterben langsam aus. Sie weichen zunehmend individuellen IT-Landschaften mit hohem Cloud-Anteil. Das heißt: Tendenziell betreiben immer mehr Unternehmen einen kompakten IT-Kern on premise und rund herum teils dutzende Lösungen aus verschiedenen Clouds. Eine Kombination aus Public-, Private- und Hybrid-Cloud-Lösungen von unterschiedlichen Anbietern. Das wird künftig der neue Standard. Und wir skizzieren auf der solutions.hamburg, was das genau für den Mittelstand bedeutet.

DWW: Haben Sie ein Beispiel?

Gerald Fehringer: Wir zeigen, wie sich Unternehmen am besten dorthin entwickeln können, ohne sich zu verheben oder zu verzetteln. Viele hätten beispielsweise am liebsten einen Ansprechpartner für alles. Doch weil die Cloud-Welt anders funktioniert als klassische IT, suchen manche an der falschen Stelle. Alle Cloud-Dienste von der gleichen Marke zu konsumieren, geht nicht; das scheitert schon am Angebot. Kein Unternehmen bekommt beispielsweise alle notwendigen Anwendungen für sein Business komplett aus der Microsoft-Cloud, und auch nicht von Amazon oder IBM. Praktikabel ist nur eine geeignete Kombination, best-of-breed aus der Cloud. Und wenn schon single point of contact, dann sollte es sich um einen Anbieter mit ausreichender Kompetenz für das Management komplexer Multi-Cloud-Strukturen handeln. Die Fragen, die sich Unternehmen und ihre Partner dabei stellen müssen, sind unter anderem: Welches Betriebsmodell ist für welche Workloads am besten geeignet? Welche Kombination ist am wirtschaftlichsten? Und natürlich: Wie betreibe ich das Ganze? Aus diesen relativ neuen Fragestellungen ergeben sich neue Herangehensweisen – und damit auch neue Konflikte.

DWW: Worauf spielen Sie da an?  

Gerald Fehringer: Damit meine ich den klassischen Konflikt zwischen Entwicklung und Betrieb. Dazu halten wir einen eigenen Vortrag auf der solutions.hamburg. Weil Developer in der neuen Welt nicht mehr nur reine Code-Erzeuger sind, sondern mittlerweile auch das ganze Release- und Patch-Management mit übernehmen, das früher klar im Aufgabenbereich des IT-Betriebs – also Operations – lag, kollidieren diese Welten gerade. DevOps ist für mich heutzutage eine Mischung aus Development und modernem Betrieb. Und weil es anders nicht mehr funktioniert, sehe ich im Cloud-Betrieb künftig ausschließlich DevOps-Leute, wo es früher eine klare Aufgabenteilung gab. Darüber wird es natürlich noch eine Steuerung im Sinne von Standard-Prozessen geben. Aber auch ITIL & Co. müssen sich verändern, damit Unternehmen ihre Agilität behalten. Denn diese Prozesse stammen aus einer Zeit, in der die Cloud, wie es sie heute gibt, noch gar nicht existierte.

DWW: Herr Brand, Ihr Fachgebiet ist SAP, aber auch diese Welt befindet sich aktuell im Wandel. Wenn Sie Herrn Fehringer zuhören, sehen Sie da Parallelen in der SAP-Welt?

Meik Brand: Definitiv. Auch die SAP-Welt steckt gerade mitten im Shift. Viele nutzen aktuell noch die klassische ECC-6.0-Welt. Doch die ersten Projekte in Richtung Cloud und S/4HANA haben bei den Kunden schon begonnen. Das läuft auf genau jene On-Premises-Multi-Cloud-Kombination hinaus, auf die aktuell alle Unternehmen zusteuern. Auf der solutions.hamburg werden wir im Rahmen unseres Vortrags zeigen, wie eine solche Ziel-Architektur künftig aussehen kann: Ein On-Premises-Kern mit Cloud-Satelliten-Systemen aus Non-SAP- und SAP-Systemen. Dies schafft eine Flexibilität für den Kunden um agil auf Veränderungen in seiner Branche reagieren zu können und ist die Basis für zukünftige Innovationen in Geschäftsprozessen auf Kundenseite. Und dieser Trend hat Folgen für Anwender und die gesamte Industrie.

DWW: Inwiefern?

Meik Brand: Der gesamte Markt ist gerade dabei, sich zu verändern. Zum Beispiel das Geschäft der Rechenzentrumsdienstleister. Hyperscaler wie Amazon, Microsoft und Google sind hier mit ihren auf Masse und Standardisierung ausgelegten Services gut aufgestellt. Aber die mittleren und kleineren RZ- und Cloudbetreiber müssen ihren Weg häufig noch finden und Überlebenskünstler sein, wenn sie den Shift hin zu mehr Automatisierung und Standardisierung schaffen wollen. Ein Wandel, der sich sehr schön an unserer eigenen Veränderung ablesen lässt: QSC hat in der Vergangenheit weniger prozessuale, sondern eher kundenzentrierte Hosting-Angebote umgesetzt. Und heute verfolgen wir einen eher industriellen Ansatz. Virtualisierte Rechenzentren, teilautomatisierte Prozesse. Weniger auf den einzelnen Kunden, dafür mehr auf den einzelnen Arbeitsschritt ausgerichtete Prozesse. Der höhere Grad an Standardisierung bringt Vorteile hinsichtlich Qualität und Service der Dienstleistung und der Preisstrukturen. Kunden profitieren darüber hinaus durch die Standardisierung von Services in dem neue Features allen Kunden zur Verfügung gestellt werden. Ein gutes Beispiel ist hier der neue Arbeitsplatz aus der Cloud (Enterprise Workplace).

DWW: Was bedeutet diese Tendenz für den Gesamtmarkt?

Meik Brand: Es wird künftig beispielsweise immer weniger Einmaleinnahmen  aus Lizenzen geben. Ein Wandel den die SAP gerade vollzieht und dem auch logischerweise die SAP Partner unterworfen sind. Ich sehe einen starken Trend hin zu „pay per Use“ und Subscription-Modellen. Abgesehen von der Umstellung auf S/4HANA, die uns sicher noch einige Jahre beschäftigen wird, werden Dienstleister auf absehbare Zeit in der Tendenz  weniger große Projekte haben. Das Geschäft wird granularer und die Margen in diesem Umfeld werden eine Herausforderung sowohl für Softwarehersteller als auch Dienstleister sein. Das bedeutet, dass sich das Beratungsportfolio insgesamt in Richtung kleinerer Projekte verändern muss. Mit Sicherheit auch einhergehend mit Microservices die z. B. auf der SAP Cloud Plattform oder bei AWS oder Azure zu finden sind. Und diese Veränderung für Beratungshäuser, die es gewohnt sind, große Projekte umzusetzen und damit große Umsätze sofort einzufahren, verändert nicht nur die Art und Weise, wie sich derartige Organisationen aufstellen müssen, sondern verlangt auch von den Mitarbeitern eine Umstellung. Weil sie künftig nicht mehr viele Monate oder gar Jahre in Großprojekten sein werden, sondern weil sie stattdessen womöglich sieben oder acht Kunden parallel mit kleineren Projekten betreuen werden. Das heißt, die Organisation muss sich auch verändern. Denn sie muss in Zukunft mehr Projekte in einem Zeitraum abwickeln können, als es heute der Fall ist.

DWW: Vielen Dank an Sie beide für das Gespräch. Wir freuen uns auf Ihre Rede-Beiträge auf der solutions.hamburg!

 

Gerald Fehringer ist Experte für Compliance und Datensicherheitsthemen im Multi Cloud-Umfeld und hat als Consultant für den Network und Security Bereich langjährige Erfahrung in der strategischen Multi Cloud-Beratung zahlreicher Unternehmen. Bei der QSC AG ist er Leiter des Multi Cloud Consultings.

 

 

 

Meik Brand ist Branchenspezialist und Experte für alle Themen rund um SAP. Bei der QSC AG ist er in seiner Position als Business Development Manager SAP für die strategische Ausrichtung des SAP Geschäftsbereichs zuständig.

 

zurück zur Startseite

Kommentar

Wenn Sie die E-Mail-Adresse eingeben, die Sie bei Twitter oder Gravatar verwenden, erscheint Ihr Bild neben dem Kommentar.

mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder. Sie erhalten zur Freischaltung ihres Kommentars eine E-Mail. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.