Die Top 10 im Internet der Dinge
Bild: Shutterstock/Prasit Rodphan Posted on von Analysten | Internet der Dinge

Die Top 10 im Internet der Dinge

Das Internet der Dinge erorbert momentan viele Industrien. Eine Analyse von über 600 weltweiten IoT Projekten zeigt wo und wie das Internet der Dinge momentan eingesetzt wird und gibt konkrete Anwendungsbeispiele.

Es ist höchste Zeit, den Hype um das Internet der Dinge hinter sich zu lassen und zu einer realistischen Einschätzung des IoT zu gelangen.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, recherchierten unsere Analysten im Rahmen einer umfassenden Untersuchung des IoT-Ökosystems Hunderte von Homepages und trugen dabei verifizierte Informationen zu 640 Enterprise-IoT-Projekten zusammen (Consumer-IoT-Projekte für Produkte wie Wearables oder „Hobby-Projekte“ wurden nicht berücksichtigt).

Im Anschluss an diesen Kraftakt sammelten sie sämtliche veröffentlichten Informationen zu diesen Projekten und erstellten daraus eine übersichtlich geordnete Liste. Einige der Einsichten und Erkenntnisse, die in diesem Datenschatz verborgen liegen, möchten wir heute mit Ihnen teilen.

IoT-Schwerpunkt „Industrie 4.0“

Der Großteil der recherchierten IoT-Projekte ist im Industriesektor (141 Projekte) angesiedelt, gefolgt von den Bereichen Smart City (128 Projekte) und  Smart Energy. Mit 44 % hält Amerika (Nord-/Südamerika) den Löwenanteil der IoT-Projekte; 34 % sind in Europa angesiedelt. Beim Blick auf die einzelnen IoT-Segmente und -Regionen offenbaren sich erhebliche Unterschiede. Amerika, insbesondere Nordamerika, hat seine Stärken in den Bereichen Connected Health (61 %) und Smart Retail (52 %), während Smart-City-Projekte (47 %) überwiegend in Europa zu finden sind. In der APAC-Region (Asien/Pazifik) liegt der Schwerpunkt dagegen auf Smart-Energy-Projekten (25 %).

Internet der Dinge
Globaler Anteil an IoT-Projekten, Quelle: IoT Analytics

1.   Industrie 4.0: Starke Präsenz im Erdöl-/Erdgassektor und in der industriellen Produktion

Die meisten IoT-Projekte werden im Bereich der digitalisierten und vernetzten Industrie realisiert (Connected Industry). Zum breiten Spektrum der vernetzten Industrieprodukte gehören dabei Druck- und Produktionsmaschinen, Krane, aber auch ganze Minenanlagen. Eine der bedeutendsten Teilbranchen ist die Öl- und Gasindustrie. Die Möglichkeit einer Fernüberwachung und Optimierung von industriellen Großanlagen hat hier die Zahl der Projekte deutlich in die Höhe getrieben. Ein Beispiel ist die Überwachung der LNG-Anlagen (Liquified Natural Gas) von RasGas in Katar, die dem Betreiber die prädiktive Wartung seiner Anlagen ermöglicht. Die industrielle Produktion ist ein weiteres großes Einsatzgebiet von IoT-Projekten. So weiß der deutsche Lebensmittelhersteller Seeberger dank IoT-Technologie mit größter Genauigkeit, wo sich bestimmte Waren zu einem bestimmten Zeitpunkt des Herstellungsprozesses befinden. Der Vorteil: eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Lebensmittel.

2.   Smart City: Verkehrsmanagement und Versorger als dominierende IoT-Anwendungen

20 % aller ermittelten IoT-Projekte sind dem Smart-City-Sektor zuzuordnen. Auch der IoT Employment Statistics Tracker offenbart hier einen deutlichen Aufwärtstrend, bedingt durch die vielen Hundert Smart-City-Initiativen, die von staatlichen Stellen rings um den Globus angestoßen wurden. Bekannte Beispiele für IoT-Initiativen in Metropolregionen sind Barcelona und London. Am populärsten sind hier Smart-Traffic-Anwendungen, z. B. in Gestalt des Smart-Parking-Projekts von Intel und Siemens in Berlin, gefolgt von Smart-Utility-Anwendungen wie beispielsweise den Dubliner SmartBins, Mülltonnen mit eingebautem Füllstandssensor. Andere Smart-City-Initiativen konzentrieren sich auf die urbane Sicherheit. Ein bemerkenswertes IoT-basiertes Sicherheitsprojekt ist CityPulse im holländischen Eindhoven; es gleicht Daten zum Geräuschpegel in den Straßen mit Social-Media-Nachrichten ab, um sicherheitsrelevante Vorfälle besser identifizieren bzw. die Polizei gezielt alarmieren zu können und die Straßenbeleuchtung an die Erfordernisse anzupassen.

3.   Smart Energy: Spürbarer Aufwind in den USA und anderen Teilen Amerikas

Der Smart-Energy-Sektor erlebt sowohl in Nord- als auch in Südamerika einen regelrechten Boom, fast die Hälfte der recherchierten Energieprojekte ist hier angesiedelt. In ihrer Mehrheit lassen sie sich dem Smart-Grid-Bereich zuordnen, wie beispielsweise die Smart-Grid-Initiative von Fort Collins Utilities in der gleichnamigen Stadt in Colorado. Ambitioniert ist auch das Smart-Grid-Pilotprojekt auf der südkoreanischen Insel Jeju-do, das sowohl dezentrale erneuerbare Energien als auch eine fortschrittliche Metering-Infrastruktur beinhaltet. Während die meisten Projekte auf die Steigerung der Netzeffizienz und -zuverlässigkeit abzielen, kann IoT-Technologie auch zum Schutz vor Stromdiebstahl genutzt werden, wie ein Projekt im argentinischen Tucumán zeigt.

4.   Connected Car: Größtes Segment mit bewährter M2M-Technologie

Vernetzte Fahrzeuge, die über eine M2M-/Mobilfunkverbindung Daten senden und empfangen, bilden eines der technologisch ausgereiftesten IoT-Segmente. Dabei liegt der Fokus bei den meisten Connected-Car-Projekten auf der Fahrzeugdiagnose und -überwachung. Zwei von drei Projekten befassen sich mit dem Flottenmanagement; ein Beispiel hierfür ist die von Telefónica für den Facility-Service-Anbieter ISS entwickelte Lösung für das Flottenmanagement. Ergänzt wird dies durch eine Reihe von nutzungsbasierten Kfz-Versicherungsprojekten wie beispielsweise die Blackbox-Lösung des Versicherers Unipol Sai. Weitere Anwendungsfelder sind die

Unterstützung von Echtzeitentscheidungen für das Honda-Motorsportteam oder der von Daimler initiierte Carsharing-Dienst Car2Go.

Weitere Beobachtungen

Noch kein Durchbruch bei LPWANs

Ungeachtet des LPWAN-Hypes nutzen immer noch weniger als 10 % aller ermittelten IoT-Projekte diese Art der Konnektivität. 59 % der Projekte mit Low Power Wide Area Networks sind dem Smart-City-Sektor zuzuordnen, wie beispielsweise die von Gorizont-Telecom in der russischen Stadt Minsk implementierte Smart-Parking-Lösung.

Größtes Einsparpotenzial bei Smart Energy und Smart Supply Chain

Der bedeutendste Wertschöpfungstreiber von Enterprise-IoT-Projekten ist zumeist ihr Einsparpotenzial. Dies gilt besonders für das Smart-Energy-Segment, in dem 84 % der IoT-Projekte auf eine Reduzierung der Kosten abzielen. Auch bei Smart-Supply-Chain-Initiativen spielen Kostenüberlegungen eine vergleichsweise große Rolle (61 %), wie das Beispiel der Kore Telematics-Lösung für die Kühlkettenüberwachung belegt.

Starkes Wachstumsmoment bei Enterprise-IoT-Implementierungen

Obwohl die Liste der 640 IoT-Projekte keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, legen die Recherchen von IoT Analytics nahe, dass die Gesamtzahl der weltweit angekündigten bzw. in Angriff genommenen IoT-Projekte noch überschaubar ist. Unter Berücksichtigung weiterer Daten dürfte die Anzahl aller IoT-Unternehmensprojekte (inklusive der noch nicht allgemein bekannt gegebenen Vorhaben) zwischen 7.000 und 10.000 Projekten liegen. Diese Schätzung deckt sich mit unserer Modellierung des Gesamtmarkts und der Beobachtung, dass zwischen den Erwartungen an das Internet der Dinge und der Realität immer noch eine große Lücke klafft. Auch wenn der IoT Employment Statistics Tracker auf eine hohe Dynamik von IoT-Initiativen hindeutet, liegt das Ausgangsniveau vermutlich niedriger als von vielen gedacht.

Nashörner und das Internet der Dinge

Bei unseren Nachforschungen sind wir auch auf einige eher ungewöhnliche IoT-Projekte gestoßen:

  • Besonders fasziniert hat uns das Wearable für Nashörner, mit dem die vom Aussterben bedrohte Art effektiver geschützt werden soll.
  • Rein aus Interesse und weil es so schön abgehoben ist, empfehlen wir auch einen Blick auf die Sensordaten der Internationalen Raumstation ISS.
  • Als „typische“ Deutsche wissen wir natürlich auch die Temperaturüberwachung für unser Lieblingsgetränk zu schätzen, die bei der Brauerei Estrella Damm zum Einsatz kommt.

Studienmethodik

In einer aufwendigen, dreimonatigen Recherchephase identifizierten und verifizierten unsere Experten zahlreiche IoT-Projekte. Dabei wurden die Websites aller bedeutenden IoT-Anbieter auf dokumentierte Anwendungsfälle untersucht (die Namen dieser Big Player finden Sie im Unternehmensranking und in einer Liste mit mehr als 360 IoT-Plattformen, beide veröffentlicht von IoT Analytics). Ergänzt wurde dies durch eine umfassende, systematische Keyword-Suche, die darauf abzielte, potenzielle Datenverzerrungen zu eliminieren und den vorhandenen Datenbestand auszubauen.

Studienumfang: Im Fokus der Studie standen Enterprise-IoT-Lösungen, die entweder durch die Unternehmen selbst implementiert oder an Unternehmen verkauft werden; reine Consumer-Anwendungen wie Wearables oder Hausautomationstechnik wurden nicht berücksichtigt.

Weitere Informationen

Wenn Sie mehr über unsere Marktforschung erfahren oder einen Blick auf unsere Liste mit über 640 Enterprise-IoT-Projekten werfen wollen, können Sie hier einen Auszug daraus herunterladen.

Der Autor

Knud Lasse Lueth ist Marktexperte in den Bereichen IoT und Industrie 4.0. Er ist Geschäftsführer des Analystenhaus IoT Analytics, Autor zahlreicher Marktstudien zum Internet der Dinge und regelmäßiger Sprecher auf Digitalisierungsveranstaltungen. Herr Lueth lebt und arbeitet in Hamburg.

zurück zur Startseite

Kommentar

Wenn Sie die E-Mail-Adresse eingeben, die Sie bei Twitter oder Gravatar verwenden, erscheint Ihr Bild neben dem Kommentar.

mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder. Sie erhalten zur Freischaltung ihres Kommentars eine E-Mail. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.