Die Top 10 Segmente im Internet der Dinge
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Die Top 10 Segmente im Internet der Dinge

IoT-Projekte gewinnen im Jahr 2018 immer mehr an Bedeutung. IoT Analytics hat aus 1.600 realen Unternehmensprojekten eine Liste mit den Top 10 Segmenten im Internet der Dinge für 2018 zusammengefasst. Das Ergebnis: Smart-City-Initiativen stehen an erster Stelle.

Das Jahr 2018 hat Fahrt aufgenommen – für IoT Analytics ein guter Anlass, die bunten Marketing-Versprechen auf reale IoT-Implementierungen abzuklopfen, die ihren Wert in der Praxis beweisen. Als Seismografen des Internets der Dinge haben wir einmal mehr Tausende von Homepages durchforstet, um 1.600 IoT-Unternehmensprojekte zu analysieren, zu klassifizieren und in einer brandaktuellen, übersichtlich strukturierten Datenbank zusammenzufassen.

Dabei haben wir nicht nur die 10 wichtigsten IoT-Segmente 2018 herausgefiltert, sondern eine Fülle an weiteren Informationen und Einblicken gewonnen, von denen wir hier einige vorstellen wollen (Zu Vergleichszwecken empfehlen wir einen Blick auf die Top 10 der wichtigsten IoT-Anwendungen 2016.).

Platz 1 der aktuellen Rangliste: die vernetzte Stadt

 

Mit 367 IoT-Projekten steht der Bereich Smart City an der Spitze des Feldes, auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Segmente Connected Industry (265 Projekte) und Connected Building (193 Projekte). 45 % der Projekte sind in Amerika (Nord-/Südamerika) angesiedelt; auf Europa entfallen 35 %, auf Asien lediglich 16 %. Ein Blick auf die einzelnen IoT-Segmente und -Regionen offenbart erhebliche Unterschiede. Während Smart-City-Projekte überwiegend in Europa zu finden sind (45 %), hat Amerika seine Stärken bei Connected Health (55 %) und Connected Car (54 %). In der APAC-Region (Asien/Pazifik) liegt der Schwerpunkt auf dem Bereich Smart Agriculture (31 %). Gegenüber dem Ranking 2016 konnte die vernetzte Stadt (dank staatlicher und kommunaler Initiativen) den Industriesektor als stärkstes IoT-Segment ablösen. Gleichzeitig ließen die zunehmende Gebäudeautomatisierung, mit der sich die operative Effizienz steigern und die Kosten senken lassen, den Connected-Building-Bereich um gleich vier Plätze nach oben klettern, so dass er nun das drittgrößte Segment bildet.

1.  Smart City: Verkehrsmanagement und Versorgungsservices als IoT-Treiber

Während vor zwei Jahren noch Connected Industry führend war, steht 2018 Smart City an der Spitze: 23 % der ermittelten IoT-Projekte sind diesem Segment zuzuordnen. Als Motor für den Aufwärtstrend wirken die zahlreichen Smart-City-Initiativen, die weltweit auf staatlicher und kommunaler Ebene in Angriff genommen wurden. Bekannte Beispiele für IoT-Initiativen in Metropolregionen sind Singapur und Barcelona. Am populärsten sind hier Smart-Traffic-Anwendungen wie z. B. Parksysteme, Verkehrsüberwachung und -steuerung, Bike-Sharing oder smarte Busspuren, aber auch exotischere Anwendungen wie smarte Fährsysteme und Wartehäuschen sind zu finden. Andere Initiativen konzentrieren sich auf Versorgungsdienstleistungen, Straßenbeleuchtung, Umweltüberwachung oder die öffentliche Sicherheit. Mit 164 Projekten ist Europa die Nummer 1 im Smart-City-Segment.

 

2. Industrie 4.0: starke Präsenz außerhalb der Werkshallen

17 % aller recherchierten IoT-Projekte werden im Industriesektor realisiert. Sie betreffen digitalisierte und vernetzte „Dinge“, die sowohl innerhalb als auch außerhalb des klassischen Fabrikumfelds anzutreffen sind. Zu den gängigsten Anwendungen gehört die Überwachung von Industrieanlagen in werksfernen Umgebungen. Typische Projekte sind hier die Fernüberwachung und -steuerung von vernetzten Kranen, Gabelstaplern oder Bohranlagen, aber auch von ganzen Bergwerken und Ölfeldern, wie die vernetzte Mine zeigt, die Cisco für den Rio Tinto-Konzern in Westaustralien betreibt. Automatisierungs- und Steuerungsprojekte in der „smarten Fabrik“ bilden die zweithäufigste Kategorie der Industrie 4.0. In diesem Segment finden sich umfassende, hochkomplexe Lösungen wie die Fertigungsüberwachung, Wearables für Produktionsmitarbeiter, die PLC-Fernsteuerung oder automatisierte Qualitätssicherheitssysteme. (So nutzt z. B. der Hersteller von Automotive-Komponenten Varroc Digital-Factory-Lösungen von Altizon, um seine Produktionsmaschinen miteinander zu vernetzen.) Mit 45 % sind die meisten Connected-Industry-Projekte in Nord-/Südamerika verortet.

3. Connected Building: der Aufsteiger des Jahres

Von allen Segmenten konnte die vernetzte Gebäudetechnik seit 2016 am stärksten zulegen (+7 %). 61 % der hier ermittelten Projekte betreffen die Gebäudeautomatisierung und verfolgen das Ziel, die Energiekosten zu senken. Wie gut dies gelingen kann, zeigt die Hotelkette Marriott in China, die mit Automatisierungslösungen ihre energiebedingten Kosten um 10 bis 15 % drosseln konnte. 39 % der Connected-Building-Projekte beziehen sich auf Gebäudesicherheit und 31 % auf HLK-Anwendungen.

4. Fahrzeugdiagnose und Flottenmanagement an erster Stelle

Bei den vernetzten Fahrzeugen hat sich die Zahl der Projekte seit 2016 mehr als verdoppelt, wobei der Fokus meist auf der Fahrzeugdiagnose (77 %) und dem Flottenmanagement (57 %) liegt. Ein Beispiel hierfür ist das irische Unternehmen TracknStop, dessen Remote-Control-Software Diagnoseanwendungen wie das Echtzeit-Tracking, die Überwachung von Sensordaten und die Fernsteuerung von Fahrzeugen ermöglicht.

5.  Weitere Beobachtungen

LPWAN-Konnektivität auf dem Vormarsch

Nur 7 % aller festgestellten IoT-Projekte nutzen die zukunftsweisende LPWA-Technologie (Low Power Wide Area). Fast zwei Drittel (64 %) dieser Projekte sind dem Smart-City-Bereich zuzuordnen, die anderen entfallen auf die Segmente Smart Agriculture und Smart Energy. Mit 37 %, 21 % und 19 % sind LoRa, SigFox und NB-IoT derzeit die erfolgreichsten Vertreter der neuen Technologie.

Kostensenkung im Fokus der meisten Enterprise-IoT-Projekte

Mehr als die Hälfte (54 %) der IoT-Unternehmensprojekte sollen in erster Linie Kosten sparen. Nur 35 % zielen auf eine Umsatzsteigerung, indem z. B. neue IoT-Produkte und -Services angeboten werden. Mit 24 % der Projekte soll die Sicherheit im Allgemeinen verbessert werden, z. B. durch moderne Überwachungssysteme mit Echtzeit-Alerts und -Benachrichtigungen.

IoT-Projekte in Unternehmen: mehr, aber nicht unbedingt größer

Obwohl die Liste der 1.600 IoT-Projekte keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, legen unsere Recherchen nahe, dass die Gesamtzahl der weltweit angekündigten bzw. in Angriff genommenen Projekte immer noch überschaubar ist. Unter Berücksichtigung weiterer Daten dürfte die Anzahl aller IoT-Unternehmensprojekte (inklusive der noch nicht allgemein bekanntgegebenen Vorhaben) zwischen 10.00 und 30.000 Projekten liegen. Diese Schätzung deckt sich mit unserer Modellierung des Gesamtmarkts und der Beobachtung, dass der Markt zwar nicht explosionsartig, mit 30-40 % aber doch stetig wächst – getragen durch zahlreiche Pilotversuche bzw. kleinere Rollouts und markiert durch einige überdurchschnittliche „Ausreißer“ wie das Smart-City-Segment. Das kontinuierliche Wachstum dürfte auch 2018 anhalten.

6.   Seehunde, Tornados und Smogmobile

Bei unseren Nachforschungen sind wir auch auf einige eher ungewöhnliche IoT-Projekte gestoßen, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten:

  • Ein Artenschutzprojekt in Schottland nutzt smarte Hochfrequenzsender mit NB-IoT-Funktechnologie, um Erkenntnisse über das Migrationsverhalten von Seehunden zu gewinnen.
  • In Nordamerika wiederum werden Tornado-Überwachungssysteme eingesetzt, um Bewohner in besonders gefährdeten Regionen rechtzeitig vor Tropenstürmen warnen zu können.
  • Nachdem der Klimawandel zum immer „heißeren“ Thema wird, sind wir auch große Fans des Londoner Smogmobils. Seine Sensoren können Treibhausgase wie CO2 und Methan, aber auch Luftschadstoffe wie Ozon, Stickstoffdioxid und Feinstaub messen, die sich bekanntermaßen negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken.
  • Noch etwas futuristischer wirken die vernetzten Robonauten, mit denen die NASA die Luftqualität in der ISS testet.

7.    Studienmethodik

In einer aufwendigen, dreimonatigen Recherchephase identifizierten und verifizierten unsere Experten zahlreiche IoT-Projekte. Dabei wurden die Websites aller bedeutenden IoT-Anbieter auf dokumentierte Anwendungsfälle untersucht. Als Grundlage für die Ermittlung dieser Big Player dienten im Wesentlichen unsere Liste mit mehr als 450 IoT-Plattformen sowie die Liste der IoT-Projekte aus dem Jahr 2016. Um auch Newcomer im Internet der Dinge mit einzubeziehen, führten wir zudem Expertenbefragungen und weitere Recherchen durch. Ergänzt wurde dies durch eine umfassende, systematische Keyword-Suche, die darauf abzielte, potenzielle Datenverzerrungen zu eliminieren und den vorhandenen Datenbestand auszubauen.

Studienumfang: Im Fokus der Studie standen Enterprise-IoT-Lösungen, die entweder durch die Unternehmen selbst implementiert oder an Unternehmen verkauft werden; reine Consumer-Anwendungen wie Wearables oder Hausautomationstechnik wurden nicht berücksichtigt.

Um in die Studie einbezogen zu werden, mussten die IoT-Projekte folgende Kriterien erfüllen:

  • Das Projekt musste der von IoT Analytics formulierten IoT-Definition entsprechen.
  • Das Projekt musste in öffentlich zugänglichen Quellen hinreichend dokumentiert sein (d. h. alle berücksichtigten Projekte sind mit einer Webseite oder einem Dokument verlinkt).
  • Für jedes Projekt mussten sowohl der IoT-Kunde als auch mindestens ein IoT-Anbieter bekannt sein.

Sie wollen mehr über unsere Marktforschung erfahren oder einen Blick auf unsere Liste mit über 1.600 Enterprise-IoT-Projekten werfen? Laden Sie sich einen Auszug aus der Liste als EXCEL-Datei oder einen Auszug aus der Metadaten-Analyse als PDF-Datei herunter. Wir empfehlen die Liste allen IoT-Akteuren als wertvolles Referenzinstrument und werden sie samt den zugehörigen Analysen auch 2019 mit neuen Daten aktualisieren.

Hinweis: Ein Projekt wird nur dann in die Liste aufgenommen, wenn unter der angegebenen Quelle ausreichend Informationen öffentlich zugänglich sind, um zu klären, um welche Art von Projekt es sich handelt, auf welche Endanwender es abzielt, wer die IoT-Lösung bereitstellt und welchen Nutzen sie mit sich bringt. Wenn ein Anbieter z. B. nur angibt, dass er eine bestimmte Enterprise-IoT-Lösung im Portfolio hat, ohne die beabsichtigten Endanwender oder weitere Details zur praktischen Implementierung zu nennen, wird seine Lösung NICHT in die Liste aufgenommen. Die von IoT Analytics erstellte Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; sie ist jedoch das Ergebnis einer umfassenden und langwierigen Marktrecherche und wird von uns nach bestem Wissen und Gewissen bereitgestellt.

Der Autor

Knud Lasse Lueth ist Marktexperte in den Bereichen IoT und Industrie 4.0. Er ist Geschäftsführer des Analystenhauses IoT Analytics, Autor zahlreicher Marktstudien zum Internet der Dinge und regelmäßiger Sprecher auf Digitalisierungsveranstaltungen. Herr Lueth lebt und arbeitet in Hamburg.

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