Fünf Stolperfallen bei der Auswahl der IoT-Plattform
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Fünf Stolperfallen bei der Auswahl der IoT-Plattform

Immer mehr IoT-Plattformen adressieren auch den Mittelstand. Dessen Anforderungen sind jedoch höchst individuell. IoT-Spezialist Christian Pereira erklärt, welche Stolperfallen ein mittelständisches Unternehmen bei der Auswahl einer geeigneten Plattform berücksichtigen sollte.

IoT-Plattformen boomen, regelmäßig drängen neue Anbieter in den Markt. Neuester Mitspieler in diesem Geschäft ist jetzt eine IoT-Allianz, die sich explizit an den deutschen Mittelstand im Maschinenbau richtet. Das neue Angebot trifft auf eine Vielzahl an Konkurrenten: Nach Erhebungen von Marktforschungsunternehmen wie Crisp Research oder ISG gibt es etwa 80 relevante Anbieter, deren Plattformen sich dem Internet der Dinge widmen. Darunter sind die großen Industrieausrüster und Anlagenbauer, etliche Gerätehersteller mit produktspezifischen Plattformen und nicht zuletzt IT-Unternehmen mit ihren Clouds, die ebenfalls IoT-Funktionen anbieten.Doch Plattform ist nicht gleich Plattform, es gibt erhebliche Unterschiede. Mittelständler können hier leicht in ein paar Stolperfallen tappen.

Stolperfalle 1: Standardlösung für individuelle Anforderungen

Die Angebote der IT-Riesen sind zwar umfassend, doch es fehlt häufig an spezifischen Lösungen für die individuellen Anforderungen des Mittelstands. Die Services sind für den IT-Massenmarkt gemacht und bieten in erster Linie nur wenig anpassbare Standardlösungen. Zwar gibt es die Möglichkeit, neue Funktionen beim Support anzuregen, doch diese werden in eine lange Warteschlange eingereiht und in der Regel erst nach geraumer Zeit berücksichtigt – unter Umständen erst nach zwei bis drei Jahren. Planungssicherheit sieht anders aus.

Darüber hinaus gibt es oft nur wenig Raum für Nischenlösungen. Ein Konzern kann bei den großen Anbietern durchaus eine individuelle Lösung buchen, denn häufig geht es bei Kunden dieser Größenordnung um eine Vielzahl an Geräten – Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen. Handelt es sich stattdessen nur um 50 oder 500 Geräte, mit einer eigenen, speziell für die Plattform zu entwickelnden Schnittstelle, wird die Sache schwierig: Der große Anbieter ist für den Mittelständler entweder zu teuer oder gar nicht erst dazu in der Lage, dessen Wünsche zu erfüllen.

Stolperfalle 2: Service oder Full-Stack-Lösung

Manche Plattform ist ein reiner Cloud Service und bietet keine Full-Stack-Lösung an. Ein solcher Service besitzt dann zwar Schnittstellen für Daten, doch Unternehmen finden nur wenig Unterstützung für Hardware und Connectivity im Industrial IoT (IIoT). Häufig müssen Geräte zunächst mit Sensoren ausgestattet und über Gateways mit dem Internet verbunden werden. Ein Full-Stack-Anbieter wie Q-Loud etwa vertreibt nicht nur eigene Hardware, sondern passt diese auch an die Anforderungen an. Mehr noch: Die Entwicklung von Hardware für spezielle Anwendungen ist kein Problem.

Stolperfalle 3: Vendor-Lock-in

Hier bedingt die Entscheidung für eine Plattform den Einsatz bestimmter Hardware und umgekehrt. So ist es im Interesse der Anbieter von Werkzeugmaschinen und Industriesteuerungen, in erster Linie ihre eigenen Produkte optimal an die Plattform anzupassen. Das ist natürlich gut für die Kunden dieser Anbieter, da von 100%iger Kompatibilität ausgegangen werden kann. Doch selbst wer nur vereinzelt Konkurrenzprodukte einsetzt, kann schon zu teuren Kompromissen gezwungen werden.

Stolperfalle 4: Analyse und datenbasierte Prozesse

Eine vierte Schwierigkeit sind nachgelagerte Anwendungen für die Analyse der Daten und alle weiteren datenbasierten Prozesse, die in einem Unternehmen genutzt werden. Vor allem IT-Unternehmen bieten solche Anwendungen als integralen Bestandteil ihrer Plattform an – Office, ERP, CRM, Analytics und vieles mehr. Das ist natürlich komfortabel, doch auch hier droht wieder ein Vendor-Lock-in. Darüber hinaus nutzen die Anbieter ihre Plattformen selbstverständlich auch als Vehikel, um ihre vorhandenen Business-Lösungen zu verkaufen. Doch eine für die individuellen Anforderungen und gewachsenen Anwendungslandschaften des Mittelstandes geeignete Plattform sollte dem Kunden die Wahl lassen.

Stolperfalle 5: Datenschutzprobleme

Ein letzter, ebenso wichtiger Aspekt ist der Ort der Datenhaltung: Die ab Ende Mai 2018 unvermeidliche Berücksichtigung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU bedeutet, dass vor allem bei datenschutzkritischen Anwendungen Plattformen mit Sitz in Deutschland oder der EU zu bevorzugen sind. Bei internationalen Anbietern ist Vorsicht geboten. Ein Beispiel: Wird ein deutsches Rechenzentrum von einem IT-Dienstleister aus einem Nicht-EU-Staat „remote“ administriert, ist die Konformität mit der DSGVO schon fraglich. Es kommt hier zwar letztlich auf die Vertragsgestaltung an, doch wer als Mittelständler rechtliche Probleme bereits im Ansatz vermeiden möchte, ist mit einem EU-Standort sicher besser bedient.

Wer diesen fünf Stolperfallen ausweicht und zusätzlich alle Anbieter aufgrund seiner Anforderungen auf den Prüfstand stellt, findet schnell den Weg zur für ihn geeigneten Lösung. Der Markt ist inzwischen ausreichend groß und wächst ständig weiter – die nächste Ankündigung einer neuen IoT-Plattform wird nicht lange auf sich warten lassen.

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Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    das Internet of Things ist keine Zukunftsvision mehr!

    im Rahmen einer studentischen Untersuchung sammeln wir Anforderungen an eine Internet of Things-Plattform aus Sicht der Unternehmen. Dabei geht es nicht darum ob und welche IoT-Plattform Sie bereits einsetzen, sondern was Ihnen für die Auswahl der richtigen Plattform wichtig ist. Hierzu gehören beispielsweise die Kosten, unterstützte Protokolle oder der Standort der Datenzentren.

    Ich würde mich sehr freuen über eine kurze Antwort. Dazu genügend mir auch Stichworte, WAS bzw. WELCHE Anforderungen Sie an eine IoT-Plattform haben. Vielen Dank! Bei Rückantwort erhalten Sie anschließend eine Auswertung der Ergebnisse.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jens Braun
    Hochschule Ravensburg-Weingarten

    1. Lieber Herr Braun,

      es freut uns, dass auch Sie das Internet-of-Things als eine wichtige Technologie ansehen und wären natürlich als Anbieter einer IoT-Plattform zu gegebener Zeit an den Ergebnissen Ihrer Studie interessiert.

      Mit freundlichen Grüßen

      Das QSC-Team