Heilen mit Big Data: Digitalisierung stärkt die Medizin
Bild: @istock.com/alvarez Posted on von Big Data

Schlagworte: ,

Heilen mit Big Data: Digitalisierung stärkt die Medizin

Die moderne Medizin nutzt Big-Data-Analytics für präzisere und schnellere Diagnosen. Ärzte erhoffen sich davon Aufklärung über die Entstehung von Krankheiten und eine schnellere Heilung.

Die Digitalisierung schreitet auch in der Medizin zügig fort: Der Gesundheitssektor ist schon seit langer Zeit stark technisiert, immer mehr Geräte helfen Ärzten bei der Diagnose von Krankheiten. Daten von Untersuchungen wie Röntgen, CT, MRT, Blutanalysen oder Dialysen werden zusammengeführt und digital ausgewertet. Das bietet zusätzliche Möglichkeiten zur Diagnose, aber auch zur Heilung von Krankheiten und macht die Medizin zu einem der wichtigsten Anwendungsgebiete im Bereich Big-Data-Analytics.

„Eine wesentliche Herausforderung im Gesundheitsbereich stellt der demografische Wandel dar, mit einer immer weiter alternden Gesellschaft und dadurch bedingter erhöhter Morbidität des Einzelnen“, erläutern Dr. Stefan Rüping vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS in St. Augustin und Prof. Dr. med. Norbert Graf vom Universitätsklinikum des Saarlandes eine der Anforderungen an die moderne Medizin im Deutschen Ärzteblatt. „Gleichzeitig steuert die Medizin von einer reaktiven hin zu einer prädiktiven und präventiven Medizin, die durch frühe Interventionen Krankheiten verhindern oder zumindest früh und dann auch individualisiert behandeln will.“

Laborergebnisse werden zu Computermodellen

Ein wichtiger Schlüssel dafür ist das Zusammenführen klinischer, epidemiologischer, bildgebender und molekulargenetischer Daten. Big-Data-Technologien erleichtern die Auswertung dieser Daten deutlich, wie Rüping und Graf bereits vor fünf Jahren in einem Forschungsprojekt hervorhoben. Der Bereich der Medizin, der sich mit einem ganzheitlichen Blick auf die unterschiedlichen Daten beschäftigt, heißt Systemmedizin. Dabei geht es im Wesentlichen darum, anhand von Laborergebnissen Computermodelle zu entwerfen. Die Modelle wiederum werden im Labor erneut überprüft. „Auf diese Weise kommt man Schritt für Schritt zu einem präzisen Resultat“, erklärt Dr. Silke Argo, Leiterin der Geschäftsstelle des deutschen Forschungsnetzwerks e:Med in einem Artikel der Fachzeitschrift Medica.

Big Data spielt hier eine große Rolle, da große Datenmengen von immer mehr Patienten eine gute Grundlage für die Forschung sind. Die Mediziner erhoffen sich Aufklärung über Krankheiten oder Phänomene, die noch rätselhaft sind. Der Artikel in Medica erwähnt das Vorhofflimmern, von dem weltweit etwa 33,5 Millionen Menschen betroffen seien. Hier liegt laut Medica die genaue Ursache noch im Dunkeln und die Mediziner wollen mit Big Data bessere Computermodelle zur Entstehung des Vorhofflimmerns erzeugen. Die Mediziner nutzen dafür nicht nur Labordaten von aktuellen Patienten, sondern auch historische Daten aus Genomanalysen, bei denen Tausende oder sogar hunderttausende Patienten untersucht worden sind.

Datengesteuerte Medizin sorgt für bessere Diagnosen

Auch für diagnostische Zwecke ist es wichtig, so viele Daten wie möglich zu erhalten. Je mehr Daten zu bestimmten Symptomen oder Krankheiten gesammelt werden, desto besser die Auswertung und damit die Diagnose. Diese Sicht auf Patientendaten kollidiert allerdings mit dem Datenschutz und der Privatsphäre der Patienten. Zwar werden medizinische Daten für Studien aller Art üblicherweise nur anonymisiert weitergegeben, doch trotzdem ist es möglich, dass beispielsweise die Nutzung von Cloudservices für medizinische Anwendungen neue Sicherheitsprobleme entstehen.

Der Gesetzgeber erschwert es, dass Einzelpersonen ihre Gesundheitsdaten der Forschung zur Verfügung stellen, bedauert der US-Sicherheitsexperte Ralph Echemendia auf einer Veranstaltung zu Big Data in der Medizin in Wien. Trotz seiner Warnungen vor dem Hacking von medizinischen Datenbanken übersteigen für ihn die Vorteile der datengesteuerten Medizin die Risiken bei weitem. Er hat allerdings eine klare Forderung an den Gesetzgeber: Jeder Mensch müsse die Kontrolle über seine Daten behalten und jederzeit genau wissen, wer welche Daten für welchen (medizinischen) Zweck benutzt.

zurück zur Startseite

Kommentar

Wenn Sie die E-Mail-Adresse eingeben, die Sie bei Twitter oder Gravatar verwenden, erscheint Ihr Bild neben dem Kommentar.

mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder. Sie erhalten zur Freischaltung ihres Kommentars eine E-Mail. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.