Innovationstreiber IoT: Startups als Erfolgsfaktor
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Innovationstreiber IoT: Startups als Erfolgsfaktor

IoT als disruptive Technologie beeinflusst und lässt neuartige Geschäftsmodelle entstehen. Der Druck nach Innovation wird immer größer: denn wer wettbewerbsfähig bleiben möchte, muss Neues erschließen. Das gilt nicht nur für große Konzerne, sondern auch für Kleine und Mittlere Unternehmen.

Wir befinden uns inmitten der dritten Welle der Digitalisierung in der das Internet der Dinge eine immer einflussreichere Rolle spielt. IoT als disruptive Technologie beeinflusst und lässt neuartige Geschäftsmodelle entstehen. Der Druck nach Innovation wird immer größer: denn wer wettbewerbsfähig bleiben möchte, muss Neues erschließen. Das gilt nicht nur für große Konzerne, sondern auch für mittelständische Unternehmen und Kleine und Mittlere Unternehmen (KMUs).

In einer im September 2017 von uns veröffentlichten Studie analysierten und bewerteten wir mögliche Kooperationsmodelle, die KMUs nutzen können, um mittels IoT, Innovationen voranzutreiben.

Warum die Zusammenarbeit mit Startups immer wichtiger wird

Dabei haben wir folgendes gefunden: Die Mehrheit der in der Studie aufgeführten Innovationsoptionen sowie drei der fünf populärsten Modelle beinhalten die Einbindung von Startups. Folgendes nehmen wir hier schon einmal vorweg: Die Kooperation mit Startups, in welcher Form auch immer, gilt heutzutage als Erfolgsfaktor.

Die befragten KMUs gaben die Erfolgsaussicht auf die Kooperationsformen Corporate Ventures mit 48 %, Accelerators/Inkubatoren mit 40 %, Innovationslabors mit 35 % und Innovationsökosysteme mit 29 % an. Kooperationen wie Adidas mit dem Startup „Runtastic“ oder DHL mit dem Startup „Streetscooter“ werden als große Erfolge gewertet. Auch für kleinere Firmen und Firmen die im Internet der Dinge innovativ sein wollen, führt kein Weg an der Zusammenarbeit mit Startups vorbei.

6 Modelle wie Firmen mit Startups zusammenarbeiten können

1. Direkte Kooperation mit Startups

Eine agile Reaktion auf neuste Trends und limitierte Risiken/Investitionen bietet eine direkte Zusammenarbeit mit Startups. Ein weiterer Vorteil einer solchen Kooperationsform ist, dass KMUs eine gewisse Kontrolle über das Projekt und seine strategische Ausrichtung behalten. Andere Studien belegen diesen Trend: 3 von 4 Jungfirmen geben an, mit etablierten Firmen zusammenzuarbeiten. Dabei bevorzugen 67% eine Early-Phase-Interaktion. Ein Ansatz, der dieses Modell noch weiterführt, ist in der „Factory Berlin“ zu beobachten. Sie sieht sich selbst als Startup-Campus für Innovatoren, der Gründer und etablierte Unternehmen unter einem Dach zusammenbringt.

2. Corporate Ventures

Eine andere Form Innovationspotenziale durch Startups zu steigern ist durch die Gründung eines Venture-Capital-Arms, der auf relevanten Gebieten strategische Investitionen in Startups vornimmt. Neben dem finanziellen Erfolg wird hierbei ein weiteres Ziel anvisiert: Einblicke in neue Trends und Technologien aus erster Hand. Zudem bietet sie den Vorteil, dass Engagements in verschiedene Technologien mit Disruptionspotenzial eingegangen werden können. Als Beispiel wäre hier WILO SE anzuführen. Die Firma unterstützt den Wincubator für Newcomer auf dem Gebiet Gebäudemanagement und Wasserdienstleistungen und betrachtet das Engagement als langfristige, strategische Investition.

3. Inkubatoren/Accelerators

Eine sehr bekannte Kooperation ist die Zusammenarbeit in Form von Inkubatoren oder Accelerators. Hierbei gründet das KMU einen eigenen Bereich, worin sie Startups in relevanten Feldern in einer frühen Phase und über einen relativ langen Zeitraum (oft 12 Monate und mehr) unterstützen. Zudem gilt es hier zu beachten, dass Inkubatoren sich nicht selbst an einem Startup beteiligen und der Technologietransfer das primäre Ziel ist. Sie werden zumeist von Hochschulen oder Forschungslabors gegründet und in der Praxis nur selten von KMUs.  Accelerators streben eine schnelle Entwicklung von Konzepten an; umgesetzt wird dies durch einen strafferen, strukturierten Zeitplan, der mit Bootcamps beginnt. Ziel ist es, von der Idee bis zum konkreten Produkt bzw. Service nicht mehr als anderthalb bis drei Monate verstreichen zu lassen. Ein Beispiel zu dieser Kooperationsform ist das Inkubationsmodell von Breed Reply, welches IoT Startups praxisorientierte Hilfestellung bei Entwicklung und Wachstum gibt; die Unterstützung reicht dabei von allgemeinem Management über Technologien bis hin zu Vertrieb und Marketing.

4. Company Builder /Agentur

Hierbe handelt es sich um eine sehr häufig genutzte Form der Kooperation. Dabei existiert zum Einen der traditionelle Ansatz in Form einer Zusammenarbeit mit einer Agentur, die mit einem Team von (in der Regel) hochkompetenten Ingenieuren, Konstrukteuren und Entwicklern, dafür sorgen, dass Lösungen schnell generiert werden und die Markteinführung zügig erfolgen kann. Zum anderen gibt es den etwas neueren Ansatz des Company Builders. Es wird ein nach eigenem Anspruch komplettes Rahmenwerk bereitgestellt, innerhalb dessen IoT-Ventures schnell zur Marktreife gebracht werden sollen. Damit entspricht das Modell eher einem operativen Venture-Capital-Arm als einer herkömmlichen Agenturtätigkeit. Company Builder investieren nicht nur in eine Idee, sie entwickeln das Produkt auch gemeinsam mit einem Team von Entrepreneuren.

5. Innovationslabors/Spin-off-Programme

Das KMU gründet eine eigene Rechtseinheit, die als Schnittstelle zum Startup Ökosystem fungiert. Sozusagen ein internes Startup. So wird beispielsweise ein Innovationslabor als Forschungseinheit parallel zur F&E Einrichtung gegründet. Sie ermöglicht eine Innovationsautonomie und ermöglicht einen dedizierten Fokus außerhalb des F&E. Die in Berlin angesiedelte Firma WattX, eine Ausgründung der Viessmann GmbH&Co KG, ist ein solches Beispiel.

6. Offene Innovation

Die Idee hinter der offenen Innovation besteht darin, sich externer Innovationskraft der breiten Masse zu bedienen und vom breiten Ideenspektrum zu profitieren. Beispiele sind Ideenwettbewerbe (z. B. Hackathons), Customer-Immersion-Programme oder die Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und Bildungseinrichtungen wie beispielsweise Hochschulen.

Regeln für die Zusammenarbeit

Unternehmen und Startups weisen unterschiedliche Strukturen und Denkweisen auf. So gilt es bei einer direkten Kooperation zu beachten, dass die Zukunft eines Startups oder der entwickelten Technologie ungewiss ist. Auch gibt es zu beachten, dass eventuell interne Prozesse angepasst werden müssen. Ist ein Corporate Venture angestrebt, sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass dieses Unterfangen ressourcenintensiv ist und eine Schaffung von hoher Investmentexpertise erforderlich ist. Bei der Company Builder/Agentur Form ist neben tendenziell hohen Kosten, auch das Verlassen der Agentur nach dem Projekt einzuplanen. Wer die Schwierigkeiten beachtet, die bei der Innovation mit Hilfe von Startups entstehen, der darf sich über hohe Erfolgsquoten freuen. Allerdings sollten Sie nicht erwarten, dass das Startup kostenlos für Sie arbeitet. Sie müssen auch hier bereit sein für ein finanzielles Investment und eine langfristige Partnerschaft.

Weitere Informationen

Die 36-seitige Studie „Innovation durch IoT – Ein Handbuch“ detailliert diese Innovationsmodelle weiter und gibt Beispiele und Handlungsempfehlungen für KMUs und Mittelständler. Sie können Sie kostenlos auf der Webseite von IoT Analytics herunterladen.

Die Autoren

Knud Lasse Lueth ist Marktexperte in den Bereichen IoT und Industrie 4.0. Er ist Geschäftsführer des Analystenhauses IoT Analytics, Autor zahlreicher Marktstudien zum Internet der Dinge und regelmäßiger Sprecher auf Digitalisierungsveranstaltungen. Herr Lueth lebt und arbeitet in Hamburg.

 

 

 

Hoang Pham Van ist IoT-Technologie-Enthusiast und beim Marktanalysten IoT Analytics für die Marketingaktivitäten zuständig. Zu seinen Aufgaben gehört es anderen Enthusiasten qualitativ hochwertige Inhalte rund um das Thema IoT zu vermitteln.

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