Made in Germany: Update fürs Gütesiegel
Titelbild: © Francois Poirier/Shutterstock.com Posted on von Internet der Dinge | Management | Sicherheit

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Made in Germany: Update fürs Gütesiegel

Waren aus Deutschland sind nach wie vor weltweit beliebt: „Made in Germany“ steht im Länderranking ganz oben. Doch in digitalen Zeiten ist die Spitzenposition auf Dauer nur zu halten, wenn die Unternehmen auch an Innovationskraft zulegen.

Noch glänzt das Gütesiegel „Made in Germany“, es ist das weltweit stärkste Qualitätslabel für Waren und Dienstleistungen. Das geht aus dem Made-in-Country-Index (MICI) von Statista hervor. Für das Ranking befragte das Statistikportal gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Dalia Research rund 43.000 Verbraucher in 52 Ländern. Und die erteilten deutschen Produkten Bestnoten. Die Folge: Platz eins für „Made in Germany“. Die große Beliebtheit der Herkunftsangabe fußt vor allem auf der „Qualität“ und den „Sicherheitsstandards“ der Produkte und Services. Die Schweiz auf Platz zwei punktet dagegen in den Kategorien „Statussymbol“ und „Authentizität“, Italien (7) mit „Design“. Japan (8) erreicht in der Kategorie „Spitzentechnologie“ die höchsten Punktzahlen aller Länder. Für China (49) wiederum spricht das „Preis-/Leistungsverhältnis“. Die USA landen wie Japan auf Rang acht.

Herkunft als Qualitätssiegel

Die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“, Ende des 19. Jahrhunderts von Großbritannien eingeführt, um die eigenen Landsleute vor minderwertigeren Importen aus Deutschland zu warnen, entwickelte sich anders als geplant rasch zum Gütesiegel und wurde spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg zum Synonym für das deutsche Wirtschaftswunder. Längst steht es für Ingenieurskunst, Erfindergeist und Zuverlässigkeit und dürfte einer der Gründe dafür sein, dass Deutschland so viel exportiert wie kaum ein anderes Land der Welt.

Qualität und Sicherheit reichen nicht

Rang eins im Medaillenspiegel: Darf sich Deutschland da jetzt beruhigt im Glanz seines Gütesiegels sonnen? Nein, warnt Christoph Pienkoß, in der Online-Ausgabe des Manager Magazins. Pienkoß ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) in Frankfurt am Main. Anders als anderen Kritikern geht es ihm in seinem Beitrag nicht darum, dass sich Herstellerangaben wie „Made in Germany“ längst überholt haben. Denn wo Deutschland draufsteht, steckt in der Regel Globalisierung drin. Häufig werden Komponenten zugekauft und Fertigungsprozesse in Länder mit niedrigerem Lohnniveau ausgelagert. Doch Pienkoß geht es um einen anderen Punkt: „Wenn man das Image von ‚Made in Germany‘ mit der gegenwärtigen technologischen Entwicklung abgleicht, wird schnell deutlich, dass auch ein Qualitätssiegel am Puls der Zeit bleiben muss, um nicht zu einem Echo vergangener Zeiten zu werden.“ Zukunftsfähigkeit entscheidet sich eben nicht nur an Kategorien wie Qualität und Sicherheit, sondern auch an der eigenen Innovationskraft und Technologieführerschaft. Bei letzterer haben indes die Japaner die Nase vorn. Und beim Thema Innovation lässt das Silicon Valley die Konkurrenz weit hinter sich.

Kundenzentrierung gewinnt an Bedeutung

Aber selbst beim Thema Qualität sitzen deutsche Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung nicht mehr so fest im Sattel wie in früheren Zeiten. Der Grund: „In vielen Unternehmen erfährt das Qualitätsmanagement nicht den erforderlichen Rückhalt.“ Ein echtes Problem, findet Pienkoß. Weil die Produkte zunehmend Softwarebestandteile beinhalten und mit ergänzenden Dienstleistungen angeboten werden, werden sie immer komplexer und damit fehleranfälliger. Qualitätsmanagement ist damit wichtiger denn je. Ohnehin plädiert er für ein Upgrade des Gütesiegels. „Es ist wichtig zu verstehen, dass Qualität für den Kunden eine Wertschöpfung sowohl auf der emotionalen als auch der rationalen Ebene darstellen muss.“ Oder anders: Ein Produkt muss nicht nur einwandfrei funktionieren, es muss sich an den Bedürfnissen des Kunden orientieren – und auch mal Wünsche vorwegnehmen, von denen der Kunde gar nicht ahnte, dass er sie hegte. Nur wer radikal kundenzentriert denke und innovative Lösungen entwickle, setze sich auch im digitalen Zeitalter durch. Pienkoß nennt das „Bindung durch Emotion“ und wählt als Beispiel moderne Smartphones, die mit ihrem smarten Mix aus Design, Hardware, Betriebssystem und ergänzenden Apps in den Herzen und Händen ihrer Nutzer festgewachsen scheinen.

Wenn „Made in Germany“ ein Gütesiegel bleiben solle, müssten sich deutsche Unternehmen zunehmend um innovative Geschäftsmodelle kümmern, „die in Start-up-Schmieden wie dem Silicon Valley am Fließband produziert werden.“ Deren disruptive Kraft haben etliche deutsche Traditionsunternehmen bereits leidvoll erlebt. Grundsätzlich hält es auch Pienkoß für überholt, in nationalstaatlichen Kategorien zu denken: „Das Silicon Valley ist die Marke, nicht die USA. Insofern ist der aktuelle Kampf ‚Old Europe‘ gegen ‚Old USA‘ oder ‚Made in Germany‘ versus ‚Made in USA‘ nur ein vordergründiger – die wahre Front verläuft schon längst woanders.“

Grafik zum Made-In-Country-Index 2017 © Statista_com
Grafik zum Made-In-Country-Index 2017 © Statista_com

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