Mit der richtigen Strategie ins Internet der Dinge
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Mit der richtigen Strategie ins Internet der Dinge

Das Internet der Dinge eröffnet Mittelständlern die Chance, sich mit der richtigen Strategie Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz zu sichern. Welche Fragen sich Unternehmen stellen müssen, die ihre Produkte vernetzen wollen.

Das McKinsey Global Institute hat errechnet, dass das Internet of Things (IoT) in den kommenden zehn Jahren weltweit einen wirtschaftlichen Mehrwert von bis zu elf Billionen Dollar generieren könnte. Auch der Mittelstand kann davon profitieren – wenn er jetzt die richtigen Entscheidungen trifft.

Smarte Produkte und der Wandel des Nutzungsverhaltens

Im Zuge der Digitalisierung verändern sich Produkte und deren Nutzung. Waren neu kaufen oder einen Techniker für Wartungs- oder Reparaturarbeiten kommen lassen? Nicht mehr nötig. Intelligente und vernetzte Waren wie ein Smart-Home-Steuergerät oder eine Heizungsanlage lassen sich per Software-Update aktualisieren oder warten. Sie ermöglichen die Steuerung aus der Ferne oder die Überwachung und Lokalisierung über ein Webportal. Zudem wollen Kunden ein Produkt oft gar nicht mehr besitzen, sondern nur bei Bedarf nutzen – so wie es die Film- und Musikindustrie mit ihren Streamingdiensten vormacht, ebenso wie Anbieter klassischer Leihwagen, neuer Mitfahrdienste wie Uber oder von Carsharing-Modellen.

Auf diese veränderten Anforderungen und Möglichkeiten müssen sich Unternehmen einstellen und sie zu ihren Gunsten nutzen. Aber wie? Ein Masterplan fehlt häufig noch. In der IoT-basierten Industrie 4.0 verfolgen einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom zufolge knapp 40 Prozent der Verantwortlichen noch keine Strategie für das Gesamtunternehmen.

Ein neues Geschäftsmodell für mehr Umsatz

Zunächst einmal muss ein Unternehmen bereit sein, sein Geschäftsmodell anzupassen: Etwa indem es für sein Produkt nach dem Verkauf einen Wartungsservice oder einen Mehrwert durch Datenanalyse auf einer eigenen Plattform anbietet oder indem es weitere Waren und Dienstleistungen rund um das eigentliche Produkt verkauft. Beispiel: Das Fitnessarmband zum Laufschuh. So bestätigten 86 Prozent der befragten Manager im Vorfeld der IoT-Messe Industry of Things World 2016, dass Smart Services ihrem Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen.

Fokus auf sinnvolle Funktionen

Unternehmen sollten sich zudem genau überlegen, welche Funktionen ein Produkt haben soll und welche nicht. Funktionen einzubauen, nur weil es technisch möglich ist, führt zu höheren Produktionskosten, einem höheren Endkundenpreis und möglicherweise zu einer Überforderung des Kunden. Jede Funktion eines Produkts sollte Kunden einen Mehrwert bringen. Ein Türsensor für einen Baucontainer etwa ist ein sinnvolles Feature als Diebstahlsicherung. Ein GPS-Tracker dagegen nicht, wenn der Container nie bewegt wird. Außerdem überlegenswert: Soll die Funktion direkt ins Produkt integriert werden, weil etwa bei einer Abschaltautomatik einer Maschine eine kurze Reaktionszeit erforderlich ist? Oder soll eine Funktion aus der Cloud bereitgestellt werden, damit der Hersteller sie schnell und einfach aktualisieren und erweitern oder der Anwender aus der Ferne auf das Produkt zugreifen kann?

Offene oder geschlossene Systeme

Eine weitere strategische Entscheidung betrifft die Offenheit des Produkts: Baut der Hersteller um sein Produkt herum ein geschlossenes Ökosystem, wie es beispielsweise Apple mit seinem iPhone tut, behält er die Kontrolle über Technologie und Nutzerdaten. Aber auch Apple musste sein System zumindest für Apps von Fremdanbietern öffnen, denn der Kunde verlangt Zugang zu Facebook, WhatsApp und Pokémon Go.

Unternehmen sollten also möglichst keine Insellösungen wählen, die nur für einen bestimmten Gerätetyp oder einen speziellen Service anwendbar sind. Besser ist es, gleich auf eine weiter verbreitete Standard-Technologie zu setzen. So lässt sich das eigene Produkt auch in fremde Anwendungslandschaften integrieren. Kann ein Smart-Home-Hersteller etwa kein komplettes Geräteportfolio anbieten, sollte er sein Produkt so konzipieren, dass es mit Fremdgeräten vernetzt werden kann – sonst greift der Kunde möglicherweise zum Konkurrenzprodukt, das diese Möglichkeit bietet.

Outsourcing setzt Ressourcen frei

Es geht bei der richtigen IoT-Strategie auch um die Offenheit der Produktion: Entwickelt ein Unternehmen alles selbst, muss es in Personal, Technik und Infrastruktur investieren. Beauftragt es einen Dienstleister, bleibt das Unternehmen flexibel: Speicherplatz in der Cloud beispielsweise bucht es bei Bedarf hinzu; Plug’n’Play-Lösungen wie ein Gateway, das Sensordaten ausliest, erfordern kein spezielles IT-Know-how und werden pro vernetztem Gerät abgerechnet. Kosten bleiben kalkulierbar und es werden Ressourcen frei, die dann für Innovationen genutzt werden können.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass die erfolgreichsten Unternehmen eine sinnvolle Kombination beider Varianten wählen“, heißt es in der Studie „Wie smarte Produkte den Wettbewerb verändern“. Wenn die Wahl auf externe Anbieter falle, sollten Unternehmen klären, ob eigens entwickelte, maßgeschneiderte oder fertige, lizenzierte Lösungen sinnvoller seien, so die Studie. Haben sie ihre Produkte vernetzt, könnten Unternehmen auf der anderen Seite möglicherweise auf externe Vertriebs- und Servicepartner verzichten und die Ware direkt an den Endkunden verkaufen und anschließend selbst warten. Oder mit weiteren Diensten und Software-Updates den Kontakt zum Kunden halten.

Daten als wertvoller Rohstoff

Daten haben bei der Wertschöpfung in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Messwerte aus Sensoren können, zielgerichtet gesammelt und analysiert, zu wertvollen Informationen werden, um die Produktion zu optimieren oder sie an Kundenanforderungen anzupassen. So verfolgt die Hälfte der vom Bitkom befragten Unternehmen mit seiner Industrie-4.0-Strategie das Ziel, individuelle Kundenwünsche schneller umzusetzen. Hier müssen sich Unternehmen fragen, welche Daten sie wie oft erheben wollen, um aus ihnen den gewünschten Mehrwert zu generieren.

Auch die Datensicherheit und, besonders bei personenbezogenen Daten, den Datenschutz muss die richtige IoT-Strategie berücksichtigen, ebenso die Frage der Eigentums- und Zugriffsrechte. Und: Können vom Kunden mit dem Produkt generierte Daten möglicherweise anonymisiert an Dritte verkauft werden? Daten aus einem Connected-Car-System beispielsweise könnten für Versicherungen oder Fuhrparkbetreiber wertvoll sein. Informiert das Unternehmen seine Kunden offen und fair darüber, was mit ihren Daten geschieht, kann es so auch das Kundenvertrauen stärken.

Langfristig planen, kurzfristig starten

Generell sollte eine IoT-Strategie möglichst als langfristiges Projekt angelegt und in der Managementebene eines Unternehmens implementiert werden. Sind hierfür die Voraussetzungen noch nicht gegeben, bietet es sich an, zunächst mit einem kleineren Projekt zu beginnen: Hauptsache, ein erster Schritt ist getan – denn die Konkurrenz schläft nicht.

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