Multi-Cloud-Plattform-Management – komplex aber lohnenswert!
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Multi-Cloud-Plattform-Management – komplex aber lohnenswert!

Traditionelle Prozesse zu digitalisieren, überfordert immer noch viele Unternehmen. Nur wer Technologie mit Prozess-, Business- und Strategiedenken verknüpft, wird erfolgreich den Weg in das neue digitale Zeitalter schaffen. Grundlage dafür: dynamische Multi-Cloud-Infrastrukturen.

Do it yourself ist im Multi Cloud Zeitalter in vielen Fällen nicht für Kunden geeignet – dafür fehlen oftmals notwendige IT-Skills und am Ende auch die Zeit bzw. das Budget für den konzeptionellen Aufbau, die Implementierung oder auch den agilen Betrieb. Ferner sind Lizenzmodelle und die damit einhergehenden ROI- sowie Gesamtkosten-Berechnungen komplexe Themen. Dies liegt zum Teil daran, dass es bei Legacy-Plattformen schwierig ist die tatsächlich anfallenden Kosten zu überblicken und gleichzeitig die intransparente Preisgestaltung externer (Public) Cloud Services im Auge zu behalten.

Herausforderung bei der Multi Cloud: Zentralisierung trotz Altlasten

Die Bewertung und Integration bestehender Altlösungen stellt Kunden und auch Dienstleister vor weitere Herausforderungen. Welche Systeme lassen sich einfach in die Cloud „hieven“, und welche Systeme rechtfertigen aufgrund ihrer Bedeutung und individueller Prozesse, die den USP ausmachen, eine Transformation bzw. das Re-Engineering?

Historisch beinahe diametral entgegengesetzt liefen die Systemklassen „Systems of Record“ sowie „Systems of Engagement“ unter unterschiedlichen Bedingungen. „Systems of Record“ haben traditionell wenig mit Cloud zu tun und wirken dementsprechend ausbremsend, während „Systems of Engagement“ schon häufig in Cloud-Umgebungen angesiedelt sind. Diese Unterschiede im Design bzw. in den Architekturen und somit auch in den Blue Prints führen zu ganz anderen Innovations­geschwindigkeiten. Es prallen also Welten aufeinander.

Durchhaltevermögen

Aufgrund der hohen Komplexität ist bei der Einführung sowohl technische als auch organisatorische Expertise gefragt. Dies stellt die Unternehmen vor große Herausforderungen, da für die erfolgreiche Implementierung auf Kundenseite viele Abteilungen zusammenarbeiten. Daher ist nicht nur technische Raffinesse gefordert, sondern auch ein hohes Maß an Projektmanagement- bis hin zu Change-Management-Kompetenzen. Erschwerend wiegt auch die Tatsache, dass teilweise als Legacy-IT einzustufende IT-Landschaften prozessual und SLA-seitig unzureichend definiert sind.

Trotz der Herausforderungen haben Kunden über die Einführung einer Multi-Cloud-Plattform verschiedene Vorteile. Die Kostenstellenabrechnung und Zuordnung von IT-Services auf Produkte und deren Lebenszyklus oder die Sicherstellung der System-Elastizität sind einige wesentliche Beispiele für Mehrwerte. Ein Cloud-taugliches Identity and Access Management (IAM) ist darüber hinaus essenziell für die Usability und Security, und nach der Implementierung nicht mehr wegzudenken.

Überwinden Unternehmen die Startschwierigkeiten, führen Multi-Cloud-Plattformen zu einer höheren Reaktionsfähigkeit und Transparenz. Parallel dazu wird im Normallfall die Schatten-IT durch höhere Nutzerzufriedenheit eingedämmt.

Adressaten

Zielgruppe solcher Plattformen sind meistens IT-Verantwortliche bzw. -Administratoren, die für die internen User eigene und fremde (Public Cloud) Services bündeln und für den On-Demand-Konsum entlang der Digital-Workspace-Strategie integrieren. Der Zugriff erfolgt via Web Frontend zur Buchung und der Überwachung verschiedenster Cloud bzw. teilweise auch Micro Services.

Servicespektrum

Grenzen für die Integration von Services gibt es eigentlich nicht. Das Spektrum reicht von Infrastructure-as-a-Service- (IaaS-) über Platform-as-a-Service- (PaaS-) bis hin zu verschiedensten Software-as-a-Service- (SaaS-) Produkten. IaaS-Services bleiben im normalen Betrieb für den Großteil der internen Nutzer verborgen, da diesen Services in der Regel z.B. das Frontend fehlt und der Service nicht direkt einsetzbar ist. Daher sehen User meist nur PaaS- und vor allem SaaS-Bausteine mit direktem Bezug für ihre tägliche Geschäftsaufgabe. Die IT-Abteilung hingegen sieht weitere Parameter und Leistungen, zu denen natürlich auch IaaS gehört.

Fundament

Hybrid-Cloud-Plattformen zeichnen sich durch modernste Cloud Management/Orchestration Tools als Fundament aus. Ihren Ursprung haben solche Lösungen im Verwalten von internen, virtuellen IT-Ressourcen. In der nächsten Entwicklungsstufe kamen verstärkt Management-Funktionen für eine Vielzahl virtueller Maschinen in unterschiedlichen Umgebunden und somit heterogenen Anforderungen hinsichtlich Compliance bzw. der Skalierbarkeit hinzu. In der nächsten Generation wurden daraus zunehmend Hybrid-Cloud-Management-Lösungen, die es ermöglichten, auch externe IT-Ressourcen einzubinden und zentral zu managen. In der jetzigen Evolutionsstufe gehen Lösungen dazu über, nicht nur einzelne externe Cloud-Ressourcen einzubinden, sondern es werden – über entsprechende APIs – bereits eine ganze Reihe an Cloud Services von unterschiedlichen Providern technologisch eingebunden und nach Business-Anforderungen selektiert. Plattformen übernehmen die Kontingentverwaltung für das Billing, die Orchestration sowie das Ressourcen-Provisioning.

Dieses Fundament bildet die Basis für das Software Defined Data Center, Fabric Based Computing (Cluster Management) oder eine Serverless-Infrastruktur unter Berücksichtigung der dynamischen Kostenreduzierung und Sicherstellung der Compliance.

Diese als „Cloud Management & Orchestration“ bezeichneten Software-Lösungen übernehmen eine zentrale Schnittstellenfunktion zwischen Hardware-, Middleware- und in Teilen auch Software-Komponenten. Dabei unterscheiden sich die am Markt befindlichen Lösungen hinsichtlich Integrationstiefe, Administrationslogik, Funktionsvielfalt, Schnittstellenmanagement, Nutzermanagement, Sicherheitskonzept und anderen Kriterien wie beispielsweise Hybrid Cloud Readiness oder IT-Lifecycle Management.

Für den User: Kontrolle und Flexibilität

Über das Zusammenspiel verschiedener Komponenten ist sichergestellt, dass die interne IT die Themen Governance, Risk und Compliance im Griff behalten kann und trotzdem eine ganze Reihe an unterschiedlichen Services im Self-Service-Modus zur firmeninternen Nutzung bereitstellen kann – ein echter Mehrwert für Kunden und ein idealer Kompromiss, um den Spagat zwischen zentraler Steuerung bei größtmöglicher Auswahl an Cloud Services sicherzustellen.

Für den Endanwender eines solchen Portals spielt das jeweilige Betriebsmodell (Private Cloud, Hosted Private Cloud, Public Cloud) keine Rolle mehr, da dieser über ein zuvor abgestimmtes Rollen- und Rechtemodell (Policies) eingebunden wurde und der jeweilige Service-Ursprung im Verborgenen bleibt. Die Nutzung einzelner Services erfolgt im Optimalfall nach Compliance-Vorgaben auf Basis definierter Kontingente bzw. Freigaben sowie Verfügbarkeitsanforderungen.

Verantwortung muss geklärt werden

Liegt der Betrieb einer solchen Plattform in den Händen eines externen IT-Dienstleisters, übernimmt dieser dabei nicht automatisch die Verantwortung für das Delivery und die Abrechnungsbeziehung von einzelnen eingebundenen Cloud Services. Dies kann jedoch der Fall sein – je nach Ausgestaltung der Plattform-Dienstleistung oder Kundenwunsch.

Markttendenzen

Aktuell differenzieren sich Plattformen über Anzahl und Typ kompatibler und integrierbarer Cloud Services und zunehmend auch über das Kostenmanagement sowie über Assessment-Funktionen. Auch analytische und visuelle Komponenten spielen neben dem Kundenwunsch der Infrastruktursteuerung per Code eine zunehmende Rolle. Dazu gehört natürlich auch die Optimierung der Live-Migration von Provider oder Service von A nach B. Ferner etablieren sich auch Template-Ansätze bereits bewährter Konfigurationen und genutzter Servicebausteine nach Nutzerrollen.

Der Autor

Heiko Henkes ist als Director Advisor bei der ISG für die strategische Unternehmens- und Advisor-Führung tätig. Er leitet darüber hinaus die Zusammenführung von IT Trendthemen im Kontext der digitalen Transformation und tritt als Keynote Speaker zu aktuellen und künftigen IT-Trends auf.

 

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