Platzhirsche und junge Wilde: Der Cloud-Markt in Deutschland
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Platzhirsche und junge Wilde: Der Cloud-Markt in Deutschland

Der Markt für Cloud Services in Deutschland ist bunt. Und er wächst kräftig. Doch welcher Anbieter bietet was? Wir nennen die relevanten Player in den wichtigsten Segmenten – mit Fokus auf die Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen.

Die Wolke ist im Aufwind: 80,6 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland wollen ihre Cloud-Kapazitäten laut aktueller IT-Trends-Studie von Capgemini in diesem Jahr erhöhen. Die Nachfrage ist ungebrochen, das Angebot riesig. Laut Bitkom Cloud Monitor 2016 werden Services aus der Public Cloud mit rund 26 Prozent immer beliebter, während 38 Prozent der Unternehmen bereits die Private Cloud nutzen. Das bedeutet aber keinesfalls singuläre Lösungen: Hybride Cloud-Umgebungen sind das gesetzte Deployment-Modell der Zukunft.

Die Mischung macht‘s

Der Cloud-Markt ist unübersichtlich und gerade im Public-Cloud-Bereich sehr agil. Um sich als Nutzer einen Überblick zu verschaffen, sind trotzdem keine aufwendigen Marktforschungen nötig. Als unbestrittene Referenz gilt der Cloud Vendor Benchmark des Analystenhauses Experton Group. Für den unabhängigen Anbietervergleich haben die Analysten die relevanten Player für den deutschen Markt ausgewählt und bewertet. Betrachtet man die Cloud-Segmente, die unter anderem auch für den Mittelstand relevant sind, ergibt sich folgendes Bild:

Segmente des Experton Cloud Vendor Benchmark 2017, Teil 1
Segmente des Experton Cloud Vendor Benchmark 2017, Teil 1

Das Angebot: Cloud Services

Bei den Applikationen steht SaaS im Fokus. Unternehmen nutzen vor allem Office-Software, Groupware wie Mail-Software, branchenspezifische Anwendungen und Software-Collaboration-Tools. Hier zählen die großen Software-Anbieter wie Microsoft, SAP und Oracle zu den Marktführern. Sie modularisieren zunehmend ihr Angebot, um hybride Cloud-Szenarien realisieren zu können. Immer mehr Unternehmen beziehen auch Security as a Service über das Internet. Hier liegen unter anderem IBM mit dem Cloud Security Enforcer und Trend Micro mit seiner Technologie zur Überprüfung von Antimalware vorne. Auch die Security-as-a-Service-Produkte von Splunk und LogRhythm gewinnen an Marktrelevanz.

Es lohnt sich außerdem ein Blick auf weitere SaaS-Segmente: Vor allem ERP-Systeme aus der Cloud werden auch für Mittelständler immer attraktiver, weil dann der Aufbau eigener Hardwareressourcen entfällt und dle Leistung im „Pay-per-Use“-Modell bezogen werden kann. Hier ist der Markt unter anderem mit SAP und Sage als Leader klar besetzt. Oracle spielt übrigens im Cloud-Markt in Deutschland keine führende Rolle. Gleichzeitig bleiben On-Premise-betriebene ERP-Lösungen in den Unternehmen weiterhin der Regelfall –  wohl auch aus (unbegründeter) Angst, dass spezielle Anforderungen nicht durch Standardapplikationen aus der Cloud gedeckt werden können.

Bei CRM aus der Cloud liegen unter anderem Salesforce, Microsoft und SAP vorne. Dieser Markt ist bereits gut entwickelt, die Nachfrage steigt aber weiter deutlich an. Der Grund liegt auf der Hand: Eine CRM-Lösung aus der Cloud ermöglicht rund um die Uhr den mobilen Zugriff auf Kunden- und Kontaktdaten –  ein klarer Vorteil gegenüber der On-Premise-Lösung.

Im Bereich IaaS aus der Public Cloud stehen vor allem Storage-Lösungen im Fokus. Deren Buchung im Self Service ist unproblematisch, wenn es sich um unkritische Prozesse und Daten handelt. Dann stehen Skalierbarkeit und Kosten im Vordergrund. Hier liegen unter anderem Amazon Web Services (AWS), Microsoft, Deutsche Telekom und IBM vorne. Das entspricht der Position von AWS auf dem Weltmarkt: Das Unternehmen beherrscht laut einer Canalys-Studie aus Februar 2017 derzeit rund 34 Prozent des globalen Cloud-Marktes, obwohl es zu gelegentlichen Störungen der Dienste kommt. Solche Ausfälle zeigen, wie wichtig es ist, bei der Cloud-Service-Auswahl auf Vielfalt zu setzen.

Die deutschen Marktführer im Bereich IaaS (Self Service)
Die deutschen Marktführer im Bereich IaaS (Self Service)

Sollen datenschutzrelevante oder geschäftskritische Workloads in die Public Cloud migriertwerden, ist die Auswahl eines zuverlässigen Providers besonders wichtig. Im Idealfall bietet er zertifizierte Rechenzentren nach deutschem Standard und klar definierte Service Level Agreements (SLAs). Die Buchung sollte daher zentral durch die IT vorgenommen werden. Dabei ist oft Unterstützung gefragt. Für den Mittelstand werden deshalb Managed–Public-Cloud-Modelle für IaaS immer wichtiger. Dieser Markt besitzt einen hohen Reifegrad und wächst stark. Er wird unter anderem von der Deutschen Telekom angeführt, gefolgt von IBM und British Telecom. Auch QSC gehört zur Gruppe der Marktführer und fokussiert mit der Pure Enterprise Cloud vor allem den Mittelstand.

Die deutschen Marktführer im Bereich IaaS (Managed Private Cloud)
Die deutschen Marktführer im Bereich IaaS (Managed Private Cloud)

Der Betrieb: Cloud Operations

Oft ist aber mehr intensivere Unterstützung gefragt als bei der Managed Public Cloud „aus der Box“ zur Verfügung gestellt werden kann. Gerade im Mittelstand ist individueller Support eine dringend benötigte Dienstleistung – auch personell. Komplexe hybride Cloud-Szenarien sind der Regelfall. Hier kommen Managed Service Provider (MSP) ins Spiel. Sie treten als Bindeglied zwischen Nutzer und Anbieter auf. So sorgen sie für den reibungslosen Betrieb – quasi das „Rundum-sorglos-Paket“. In diesem immer wichtiger werdenden Marktsegment sehen die Analysten von Experton unter anderem die Deutsche Telekom, Cancom und IBM als Business Leader an.

Fazit: Für jeden das Richtige

Der Mittelstand benötigt individuellere Lösungen als Großunternehmen mit zahlreichen Standard-Arbeitsplätzen. De facto ist „die Cloud“ in KMUs eine Private Cloud mit diversen Public Clouds, sprich: eine hybride Multi Cloud. Bei SaaS sind dabei Office-Anwendungen und CRM faktisch Standard, bei ERP besteht noch Überzeugungsarbeit seitens der Anbieter. Bei IaaS ist vor allem Storage gefragt. Der Mittelstand benötigt vor allem aber Unterstützung. Die Rolle eines smarten Managed Cloud Service Providers wird immer wichtiger.

Ausblick: Cloud Computing keine Rocket Science

Big Data aus der Cloud wird für den Mittelstand auch preislich immer interessanter. Dieser Markt wird wachsen. Auch Cloud Workplaces werden für KMUs attraktiver. Sie entwickeln sich zur Alternative für eine Virtual–Desktop-Infrastructure (VDI) – kein Wunder, bieten sie doch Einsparungspotenzial durch Skalierbarkeit auch bei wenigen Arbeitsplätzen. Bei IaaS wird es möglich, Workloads in Container zu verpacken und über verschiedene Storage-Plattformen zu verteilen. Gleichzeitig werden IT-Entwicklung und laufender Betrieb immer enger zusammenrücken (DevOps). Der Cloud-Markt reagiert darauf bereits mit ersten Microservice-Angeboten für PaaS darauf, Functions-as-a-Service (FaaS) wird ebenso kommen. Gerade für Mittelständler ist der Trend zur agilen Produktentwicklung ideal, denn das verbessert die Time-to-Market.

Auch der Cloud-Markt selbst wird immer integrierter. Die Unterscheidung zwischen Integrator und Betreiber verliert an Bedeutung. Dem Managed Cloud Service Provider gehört die Zukunft – denn er bietet die Cloud als Lösung statt als Handelsware. So wird er vom Enabler zum Anbieter mit integrierter Plattform. Kein Wunder also, dass dieses Segment boomt – verbindet es doch den Best-of-Breed-Ansatz mit einem zentralen Management der Multi-Cloud-Umgebung.

Der Autor

Marc Sundermann, Leiter Business Development Multi Cloud bei der QSC AGMarc Sundermann ist Experte für das Thema Multi Cloud und Cloud-Strategien und hat als IT-Architekt langjährige Erfahrung in der Planung und Umsetzung komplexer Cloud-Architekturen. Bei der QSC AG ist er in seiner Position als Head of Business Development für die strategische Ausrichtung des neuen Geschäftsbereichs Multi Cloud zuständig. Herr Sundermann lebt und arbeitet in Hamburg.

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