Smart-Home-Produkte brauchen „Security by Design“
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Smart-Home-Produkte brauchen „Security by Design“

Die Hersteller von Smart-Home-Produkten nutzen das Marktpotenzial in Deutschland nicht aus. Das liegt auch an den Bedenken der Verbraucher in puncto Datensicherheit und Datenschutz. Doch die lassen sich ausräumen.

Der Markt für Smart-Home-Lösungen in Deutschland wächst: Laut einer Studie des Verbands der Internetwirtschaft eco soll sich der Umsatz mit intelligent vernetzten Geräten im Haus bis 2022 auf 4,3 Milliarden Euro verdreifachen. Die höchsten Umsätze erwartet eco in den Bereichen Energiemanagement sowie Licht- und Fenstersteuerung. Offene Plattformen und die Zusammenarbeit mit Partnern und Start-ups böten „riesige Chancen für den deutschen Mittelstand“, so die an der Studie beteiligte Unternehmensberatung ADL. Das sieht auf den ersten Blick nach einer Erfolgsstory aus. Einer Studie der Marktforscher von Splendid Research zufolge liegt das Marktpotenzial für Smart-Home-Anwendungen sogar bei stolzen 22,2 Milliarden Euro. Wieso also wird dieses Potenzial offenbar nicht ausgeschöpft?

Vernetzung im Smart Home bringt Vorteile

Am Bedarf scheint es nicht zu liegen: Laut Splendid nutzt bereits jeder dritte Deutsche ein Smart-Home-Produkt, weitere 40 Prozent sind daran interessiert – bieten die Geräte doch Vorteile gegenüber nicht vernetzten Produkten wie mehr Komfort oder ein Plus an Sicherheit. Nehmen wir das Beispiel eines vernetzten Rauchmelders. Er misst nicht nur Rauch- und Hitzeentwicklung: Ist er mit einem WLAN-Gateway verbunden, kann der Nutzer die Zimmertemperatur auf seinem Smartphone oder dem Computer abrufen. Der vernetzte Rauchmelder sendet auch Alarme aufs Smartphone, wenn niemand zuhause ist.

Wird das Gerät zusätzlich an eine Cloudplattform angebunden, bieten sich Vorteile auch für Wohnungsbaugesellschaften und Liegenschaftsverwaltungen, die so einen sicheren Betrieb der Rauchmelder sicherstellen können. Der Verwalter kann über eine Weboberfläche etwa prüfen, ob die Batterie noch funktioniert oder die Rauchkammer verschmutzt ist. Eine manuelle Kontrolle ist dann nur noch in größeren Intervallen nötig.

Nutzer fordern Datenschutz und Sicherheit

Dennoch gibt es Vorbehalte seitens der Verbraucher. Mehr als die Hälfte der Nutzer sorgten sich um ihre Privatsphäre, ein Drittel fürchteten Hacker-Attacken, so die Marktforscher. Kein Wunder, angesichts der sich häufenden Berichte über gehackte Router, Überwachungskameras, Thermostate oder Garagentore.

Auch der Digitalverband Bitkom hat in einer Umfrage herausgefunden, dass sich die deutschen Verbraucher bei Smart-Home-Geräten Transparenz in Sachen Sicherheit und Datenschutz wünschen. Neun von zehn Befragten finden einen vom Hersteller garantierten Schutz vor Hacker-Angriffen wichtig, 84 Prozent pochen auf einen hohen Datenschutzstandard. Zwei Drittel achten laut Bitkom beim Kauf darauf, dass die von den Geräten erfassten Daten ausschließlich in Deutschland gespeichert werden.

Dem Thema Datenschutz und -sicherheit in Smart-Home-Produkten hat sich auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in einem Hintergrundpapier angenommen. Um einen adäquaten Schutz personenbezogener Daten sicherzustellen, müssten Datenschutzkonzepte nach dem „Privacy by Design“-Prinzip bereits in die Smart-Home-Technik integriert werden, fordert der VZBV. Beim Thema Datensicherheit fordert der Verband verpflichtende Mindeststandards und bemängelt, dass beispielsweise in der Softwareentwicklung für das intelligente Zuhause Cybersicherheit an letzter Stelle käme. Der erforderliche Wissensstand auf Seiten der Hersteller über Datensicherheitskonzepte sei nicht immer gegeben, so der VZBV.

Mehr Sicherheit durch „Security by Design“

„Security by Design“ ist hier die Lösung – Hersteller von Smart-Home-Produkten sollten bereits bei der Fertigung Security- und Identity-Merkmale auf Chip-Ebene in ihre Produkte integrieren. Oder sich einen Partner suchen, der diesen Part für sie übernimmt. Alternativ lassen sich Sicherheitsfunktionen wie Verschlüsselungen und Zertifikate auch nachträglich per Plug&Play-Adapter hinzufügen. Smart-Home-Anwendungen benötigten zudem in regelmäßigen Abständen Updates, etwa um Sicherheitslücken zu schließen – und zwar ohne Zusatzkosten und über den gesamten Lebenszyklus des vernetzten Produkts hinweg, so die Forderung des VZBV.

Für eine Over-the-Air-Updatefähigkeit müssen Hersteller die Geräte mit ausreichend Speicher ausstatten – auch eine Kostenfrage. Doch nur so können sie den Schutz vor Hackern immer auf dem neuesten Stand halten. Dann bietet das Smart Home sogar doppelte Sicherheit: Laut einer Umfrage der Marktforscher von YouGov sorgt ein vernetztes Alarmsystem bei einem Drittel der Nutzer für ein größeres Sicherheitsgefühl als eine herkömmliche Alarmanlage.

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