Tech-Zentren wachsen fernab von Berlin
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Tech-Zentren wachsen fernab von Berlin

Wo in Deutschland wächst der Technologie-Arbeitsmarkt besonders stark? Um diese Frage zu beantworten, hat die Stellenbörse Joblift 17 Millionen Stellenanzeigen unter die Lupe genommen. Die Analyse liefert ein Ranking und Antworten auf die Frage, wie Städte sich zu Tech-Zentren entwickeln.

In welcher deutschen Stadt ging die allererste Email auf einen Server ein? Die Antwort mag manchen überraschen: Der Grundstein für das deutsche Internet wurde am Rechenzentrum der Universität Karlsruhe gelegt. Dort empfing der Informatik-Professor Werner Zorn vor fast 25 Jahren die erste elektronische Nachricht – abgeschickt aus den USA. Was heute rückblickend als das „E-Mail Wunder von Karlsruhe“ gilt, ist vielleicht ein früher Vorbote von dem, was die Jobplattform Joblift nun, fast 25 Jahre später im Rahmen einer Analyse herausgefunden hat: Karlsruhe ist Spitzenreiter unter den deutschen Technologie-Zentren.

Die Tech-Branche boomt in mittelgroßen Städten

Welche deutschen Städte gehören zu den Top 10 Tech-Zentren in Deutschland? Dieser Frage geht Joblift in der Analyse nach. Dazu hat die Jobplattform 17 Millionen Stellenanzeigen aus den letzten zwei Jahren untersucht. Die Stellenbörse berücksichtigt dabei verschiedene Kriterien, darunter das Stellenwachstum der Technologiebranche und den Anteil technischer Jobprofile an der Gesamtzahl der Ausschreibungen an einem Standort. Das Ergebnis: Anführer im Stellenwachstum sind weder das hippe Berlin noch das renommierte München, sondern Städte mit weniger als einer halben Million Einwohnern. Nach Karlsruhe bieten vor allem Städte im Süden und Westen Deutschlands das größte „Tech“ Potential: Aachen, Ingolstadt, Jena, Regensburg, Erlangen und Bonn, gefolgt von  Mannheim, Ulm und Darmstadt.

Technologiestandorte korrelieren mit exzellenter Tech-Lehre

Was aber haben diese Städte anderen Standorten in Deutschland voraus? Und warum sind sie für High-Tech-Unternehmen interessant? Die Analysten betonen, dass Unternehmen sich gerne dort ansiedeln, wo das Angebot an Fachkräften groß ist. Also in der Nähe von Universitäten mit starker technologischer Prägung.

Hinzu kommt, dass ein attraktives universitäres Umfeld mit Professuren für Entrepreneurship ein exzellenter Nährboden für Startups ist. Gründer entscheiden sich häufig noch während ihres Studiums für einen Unternehmensstandort – oft in der Nähe ihrer alten Universität.

Startups sind ein Motor für Tech-Zentren

Auch in Karlsruhe haben viele Jungunternehmer einen wissenschaftlichen Hintergrund oder haben ihr Startup aus Forschungsinstitutionen heraus gegründet. Ein Beispiel ist das Startup GoSilico. Das junge Unternehmen ist eines von unzähligen Spin-Offs des renommierten Karlsruher Instituts für Technologie – KIT. Heute suchen die Gründer von GoSilico auf ihrer Firmen-Homepage gezielt nach Software-Ingenieuren, die die Entwicklung von Simulationssoftware für Labortest weiter vorantreiben sollen.

Startups sind also – ähnlich wie Google oder Tesla im Silicon Valley – wichtige Innovationstreiber und entscheidender Faktor dafür, dass eine Region zu einem Tech-Zentrum avanciert. Und die Chance, dass sie nach erfolgreichem Wachstum vor Ort bleiben und weitere potenzielle Nachahmer anlocken, ist groß. In Kalifornien bauten Startups wie Amazon, Facebook und Uber das ohnehin schon mächtige Tech-Zentrum nur noch weiter aus.

Auch der deutsche Mittelstand, der selbst größtenteils außerhalb der Metropolen beheimatet ist, kann von der innovativen Kraft der Startups profitieren. In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung rät Publizist Steven Hill dem deutschen Mittelstand, sich stärker für die Digitalisierung zu öffnen und die Zusammenarbeit mit innovativen Startups zu suchen. Umgekehrt sollten sich junge Unternehmen darauf konzentrieren, digitale Lösungen nicht in erster Linie für Konzerne, sondern für den Mittelstand zu entwickeln. Hills Rat an junge Digitalunternehmer passt zu den Ergebnissen der Joblift Analyse: „Geht raus aus Berlin. Lasst München und Hamburg hinter Euch. Geht nach Meschede.“

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