Tier-Klassen: Die vier Qualitätsstufen eines Rechenzentrums
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Tier-Klassen: Die vier Qualitätsstufen eines Rechenzentrums

Immer mehr Mittelständler nutzen die Cloud. Doch sind die Daten und Anwendungen auch ausreichend vor Serverausfällen geschützt? Durch die Tier-Klassifizierung erhalten Unternehmen wichtige Angaben zur Ausfallsicherheit von Rechenzentren.

Daten und Anwendungen flexibel über das Internet beziehen, immer genügend Speicherplatz zur Hand haben, Kosten reduzieren: Immer mehr Mittelständler zieht es in die Cloud – teils auch mit geschäftskritischen Anwendungen. Genau dann wird ein Serverausfall für Unternehmen allerdings zum Schreckensszenario. Der Zugriff auf Daten und Anwendungen ist in dieser Zeit nicht mehr möglich, die Arbeit liegt im schlimmsten Fall auf Eis. Damit es so weit nicht kommt, ist die Auswahl des Rechenzentrums von entscheidender Bedeutung. Denn die Qualität der Datencenter variiert enorm, die durchschnittlichen Ausfallzeiten weichen stark voneinander ab.

Große Qualitätsunterschiede zwischen Tier-Klassen

Angaben zur Ausfallsicherheit von Rechenzentren erhalten Unternehmen durch die Klassifizierung des US-amerikanischen Uptime-Instituts. Zur Einstufung nach Verfügbarkeit und Redundanz teilt das Institut die Rechenzentren in Tier-Klassen ein. „Tier“ ist dabei der englische Begriff für Rang oder Stufe. Insgesamt gibt es vier verschiedene Klassen – von 99,67 Prozent bis 99,99 Prozent Verfügbarkeit. Was zunächst lediglich nach marginalen Unterschieden klingt, bedeutet hinsichtlich der Ausfallzeiten tatsächlich enorme Differenzen.

Tier 1: Economy Class

99,67 Prozent Verfügbarkeit – Gemäß der Klassifizierung des Uptime Instituts hat ein Tier-1-Rechenzentrum eine jährliche Ausfallzeit von 28,8 Stunden. Bei einem Tier-1-Rechenzentrum sind weder die IT-Kapazitäten noch die Stromversorgung redundant ausgelegt (N-System). Fehler führen somit zu einem kompletten Ausfall der Systeme, eine Wartung während des Betriebs ist nicht möglich. „Ein Rechenzentrum der Tier-1-Klasse eignet sich eher für kleinere Firmen oder Start-ups, die IT-Prozesse lediglich intern abwickeln, keine elektronisch gestützten Abläufe zu Kunden oder Lieferanten haben und das Internet lediglich passiv nutzen“, stellt die Computerwoche fest.

Tier 2: Premium Economy Class

99,75 Prozent Verfügbarkeit – Die Verfügbarkeit eines Tier-2-Rechenzentrums entspricht einer Ausfallzeit von 22 Stunden pro Jahr. Bei einem Tier-2-Rechenzentrum sind Stromversorgung und Klimatisierung zwar redundant aufgebaut (N+1-System). Fällt ein Leitungsweg aus, sind auch die Systeme nicht mehr nutzbar, eine Wartung während des Betriebs ist auch in dieser Klasse nicht möglich. Die Computerwoche empfiehlt Rechenzentren der Tier-2-Klasse für Unternehmen, die einfache, IT-gestützte Prozesse mit Geschäftspartnern während der üblichen Büro- und Geschäftszeiten abwickeln und deren Ausfall nicht geschäftskritisch ist.

Tier 3: Business Class

99,98 Prozent Verfügbarkeit – Rechenzentren der Klasse Tier 3 fallen jährlich 1,6 Stunden aus und lassen sich bei laufendem Betrieb warten. Dazu sind abgesehen von der Klimatisierung alle Leitungswege bis hin zur IT-Hardware redundant ausgelegt (2N-System). Das Urteil der Computerwoche: „Ein Tier-3-Rechenzentrum eignet sich für Firmen, die E-Commerce-Prozesse durchführen, international und in mehreren Zeitzonen tätig sind und deren Mitarbeiter jederzeit, also auch von unterwegs per Mobilgerät, auf Informationen zugreifen müssen.“

Tier 4: First Class

99,99 Prozent Verfügbarkeit – Das jährliche Ausfallrisiko bei Tier-4-Rechenzentren beträgt 0,8 Stunden. In dieser Klasse sind nahezu alle Single Point of Failures (SPOFs) – also die Komponenten eines technischen Systems, deren Ausfall einen kompletten Systemausfall verursachen – ausgeschlossen. Sämtliche IT-Komponenten und Leitungswege sind redundant ausgelegt, so auch die Klimatisierung (2(N+1)-System). Eine Tier-4-Verfügbarkeit wird laut Computerwoche „von international agierenden Firmen benötigt, die Dienstleistungen rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr zuverlässig erbringen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“

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