Zwischenruf im Echoraum! Chief Digital Officer gefällig?
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Zwischenruf im Echoraum! Chief Digital Officer gefällig?

Immer mehr Unternehmen suchen nach einem Chief Digital Officer als „Heilsbringer“. Besser wäre es, das Potenzial der Rebellen im eigenen Haus zu heben.

Logo: PACAn dieser Stelle empfehlen und kommentieren Analysten von PAC regelmäßig Web-Beiträge exklusiv für die Leser von Digitales-Wirtschaftswunder.de. Heute im Fokus: „Der CDO wird’s schon richten“ von Harald Schirmer.

Einzelne Abteilungen können den Wandel nicht managen

Die Frage nach einem verantwortlichen Manager für den digitalen Wandel – dem „Digital Leader“ – ist wahrscheinlich genau so alt wie der digitale Wandel selbst. Seit ich mich mit diesem Thema beschäftige, streiten Verantwortliche und Auguren darum, wer die Verantwortung tragen sollte.

Einzelne angestammte Abteilungen scheinen diese Verantwortung nur schwer übernehmen zu können. Dazu ist das Thema zu vielschichtig und komplex. Hinzu kommt, dass gerade die sprichwörtlichen Abteilungssilos die größten Bremsen für jeglichen Fortschritt sind. Die Übernahme der Gesamtverantwortung für den digitalen Wandel durch einen bestehenden Fachbereich würde allenfalls nur Kräfte für neue Machtspiele freisetzen.

CDOs als Heilsbringer?

Was aber tun? Die taylorisitische Antwort auf diese Frage liegt auf der Hand:  Wenn so viele Schnittstellen zu managen sind, schafft man am besten eine Schnittstellenfunktion – ein Chief Digital Officer (CDO) muss her! Und tatsächlich ist die Zahl der CDOs hierzulande in den letzten Wochen beträchtlich gestiegen.

Einige Auguren nehmen diese Entwicklung als Beleg dafür, dass der digitale Wandel nun auch langsam in deutschen Unternehmen ankommt. Aber tut er das wirklich? Und wenn ja, was hat ein CDO damit zu tun?

Gut, dass es Querdenker wie Harald Schirmer gibt, die den CDO-Hype kritisch hinterfragen und damit der Debatte einen neuen Anstrich verleihen. Seine Grundkritik – so wie ich sie verstehe: Wie kann bitteschön eine einzelne Person die Verantwortung für eine solche Mammutaufgabe übernehmen – und wo findet man überhaupt eine solche Person?!

Dabei weiß Harald Schirmer, wovon er spricht. Er ist bei der Continental AG in der Abteilung Talent Management & Organisationsentwicklung für Digitale Transformation und Change zuständig. In diese Funktion rückte er als Quereinsteiger, nachdem er erfolgreich ein soziales Netzwerk im Unternehmen aufgebaut und etabliert hatte.

Er erzielte diesen und weitere Erfolge, indem er auf die Kompetenz und das Engagement der Mitarbeiter bei Continental setzt, sowie als Netzwerker im Konzern und darüber hinaus tätig ist. Soziale Medien nutzt er als Mittel der Wahl, um Ideen zu entwickeln und zu verbreiten. Schließlich versteht er es wie kaum ein Anderer, die Notwendigkeit abteilungs- und hierachieübergreifender sozialer Netzwerke zu vermitteln.  Überzeugen sie sich gerne selbst davon: https://www.youtube.com/watch?v=g0C2lAVbYto

…oder doch besser auf Rebellen im eigenen Haus setzen?

Zurück zur Rolle des CDO, die von Harald Schimer nicht strikt ablehnt wird. CDOs können aus seiner Sicht durchaus „Wegbereiter sein, sind aber schwer zu finden, sie sollten auf dem Weg ‚entwickelt’ werden“. Richtig: Ob CDO oder nicht, es braucht Rebellen im Unternehmen – ganz gleich aus welcher Abteilung – die den Mut haben, Organisationen zu hinterfragen und ggf. auch Regeln zu brechen. Soziale Netzwerke bieten für sie einen idealen Kosmos, um global Mitstreiter zu finden und gemeinsam Ideen voranzutreiben.

Darüber hinaus benötigen diese Rebellen aber auch einen Schutzraum, der sie vor der Illegalität (mit Blick auf die Organisationsregeln) bewahrt. Vor diesem Hintergrund halte ich ein weitere Schlussfolgerung von Harald Schirmer für essenziell: „Der Wille das bestehende System grundlegend zu hinterfragen, Regeln abzubauen und Flexibilität sinnvoll einzuführen,  muss von der Mehrheit der Entscheider getragen werden […].“

Mein Credo

Unternehmenslenker sollten deshalb prüfen, ob Sie sich die aufwändige Suche nach einem passenden CDO nicht doch besser sparen. Identifizieren Sie lieber die „Digital Leaders“, die Mitarbeiter und Verantwortlichen mit Gestaltungswillen innerhalb ihres Unternehmens. Diese zeigen sich von allein, wenn man ihnen entsprechend Raum und Aktionsradius gewährt. Bieten Sie ihnen Unterstützung und Rückendeckung bei dem Versuch, Silodenken zu überbrücken, Neues zu testen und ins Unternehmen zu tragen.

Den Mitarbeitern und Verantwortlichen mit Gestaltungswillen wiederum wünsche ich – ganz in Harald Schirmers Sinne – einen  #Mutanfall.

Der Autor

Andreas Stiehler betreut in seiner Rolle als Principal Analyst Digital Enterprise Forschungsaktivitäten zu dem Thema „Digitale Transformation“, mit Fokus auf den Digital Workplace und verwandte Themen. Er ist verantwortlich für das Erstellen und Ausführen dedizierter Forschungs- und Beratungsprojekte in diesem Bereich. Zu seinen weiteren Aufgaben zählt die Weiterentwicklung der Content Marketing Services von PAC.

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