Zwischenruf im Echoraum! Design Thinking als nützliche Krücke
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Zwischenruf im Echoraum! Design Thinking als nützliche Krücke

Methoden wie „Design Thinking“ und „Working Out Loud“ sind sind sicher keine Heilsbringer – bieten aber einen sinnvollen Einstieg, um uns von alten Denk- und Verhaltensmustern zu lösen.

Logo: PACAn dieser Stelle empfehlen und kommentieren Analysten von PAC regelmäßig Web-Beiträge exklusiv für die Leser von Digitales-Wirtschaftswunder.de. Heute im Fokus: „Denken und Handeln ändern mit Design Thinking“ von Nicole Dufft.

Voraussetzungen schaffen für eine innovative Zusammenarbeit

Meine langjährige Kollegin, die Analystin und Strategieberaterin Nicole Dufft, hat ein neues Steckenpferd: Mit großer Leidenschaft moderiert sie seit einigen Jahren Design Thinking und Co-Innovation Workshops. Und ich muss zugeben: Ihre Begeisterung für dieses Thema steckt an – selbst mich, obwohl ich neuen Methoden, inbesondere solche mit dem Siegel „agil“ mit einer großen Portion Skepsis gegenüberstehe.

In einem aktuellen Artikel – erschienen auf der Website der WHU Otto Beisheim School of Management – diskutiert Nicole, worin ihrer Meinung nach die Besonderheiten und gleichzeitig die Herausforderungen des Design Thinking bestehen. Aus  meiner Sicht ist dieser Artikel ein echtes „Must Read“ – sowohl für Skeptiker wie mich als auch für die Agile-Evangelisten mit Methoden-Fetisch.

Der Beitrag ist weniger eine Beschreibung der „Design Thinking“ Methode, sondern diskutiert die „Bedingungen“ für ein erfolgreiches Zusammenarbeiten an innovativen Themen in einem zunehmend agilen Umwelt. Dazu gehören u.a. Empathie, Raum für Intuition, Diversität und Hierarchiefreiheit. Design Thinking als Methode – so der Tenor des Artikels – baut einerseits auf solche Bedingungen auf und macht diese andererseits sichtbar, womit sich auch unser Denken nachhaltig ändert.

Umlernen und Perspektivwechsel angezeigt

Mit anderen Worten: Agile Methoden wie Desing Thinking liefern eine nützliche Krücke, um die Teamzusammenarbeit ebenso wie das empathische Hineinversetzen in die Perspektiven der Kunden neu zu erlernen. Dem kann ich zustimmen. Denn obwohl wir uns zumeist über die Notwendigkeit der im Artikel diskutierten Bedingungen einig sind, fallen wir in der Praxis immer wieder in alte Denk- und Verhaltensmuster zurück. Da hat der Chef dann doch das letzte Wort und neue Ideen werden weiterhin durch die eingrenzende, meist Produkt-, Prozess- oder Themen-Brille betrachtet.

Am Wochenende diskutierte ich dazu mit einem befreundeten Software-Ingenieur, der agilen Themen grundsätzlich offen gegenübersteht, aber große Bedenken mit Blick auf „kreative Gestaltungsworkshops“ äußerte. Die Diskussion gipfelte in der Frage: „Wie bitte schön soll man denn eine Softwarelösung mit Legobausteinen darstellen?“ Diese Frage liefert eigentlich schon die Antwort:  Softwareingenieure sind es eben gewohnt, sich neuen Lösungen ausschließlich mit der Software-Brille zu nähern – obwohl eine neue Perspektive oft hilfreich wäre.

Hierzu passen auch die Aussagen eines IT-Managers, den ich vor einigen Wochen zur Umsetzung von Design Thinking bei der Workspace-Gestaltung befragte. Er berichtet mir,  wie ihm im Rahmen eines solchen Workshops klar wurde, wo die Unzufriedenheit mit einer geteilten Infrastruktur (in deren Rahmen verschiedene Mitarbeiter einen PC teilen)  herrührte. Die einfache, aber doch (für ihn) überraschende Erkenntnis: Einige Mitarbeiter finden es schlicht eklig, die gleiche Tastatur zu teilen. Nur geringfügige Investitionen – und ein Perspektivwechsel! – waren notwenig, um die Zufriedenheit der Mitarbeiter erheblich zu steigern.

Kurzum: Wir sind einfach in den über lange Jahre hin entwickelten Denk- und Verhaltensmustern gefangen – und laufen so mit offenen Augen an Lösungen für die Probleme vorbei.

Agile Methoden als Gebrauchsanleitung für den Einstieg

Beim Lesen des Beitrags kam mir auch das derzeit vieldiskutierte „Working Out Loud“ in den Sinn. Auch diese Methodik fokussiert auf das „Erlernen der Zusammenarbeit“ – hier speziell im Kontext sozialer Netzwerke. Wenn man sich als Mitarbeiter eines (agilen) Kleinunternehmens mit den Lerninhalten von „Working Out Loud“ befasst, erscheint vieles als Selbstverständlichkeit. Tatsächlich aber zeigen sich viele Mitarbeiter – insbesondere in Großunternehmen – von dieser Methodik begeistert, ja regelrecht befreit. Viele waren – wie mir ein Vordenker in diesem Feld bestätigte – bislang schlicht nicht gewohnt, abteilungs- und hierarchieübergreifend zusammenzuarbeiten.

Vielleicht erledigt sich der Hype um Methoden wie „Design Thinking“ oder „Working Out Loud“ irgendwann einmal von selbst, weil wir alle in diesem Modus denken und die im Artikel diskutierten Bedingungen eine Selbstverständlichkeit darstellen. Und vielleicht fragen sich dann jüngere Mitarbeiter und auch wir selbst, wie wir jemals unter anderen Bedingungen erfolgreich zusammenarbeiten konnten.

Doch bis dahin braucht es einer Gebrauchsanleitung, also einer Methodik – und ja, wahrscheinlich sogar eines professionellen Moderators oder Coaches. Denn Nicole’s Umkehrschluss ist ebenso plausibel: „Design Thinking Initiativen, die […] lediglich den Prozess basierend auf alten Denkmustern durchexerzieren, werden schnell ins Leere laufen.“

Der Autor

Andreas Stiehler betreut in seiner Rolle als Principal Analyst Digital Enterprise Forschungsaktivitäten zu dem Thema „Digitale Transformation“, mit Fokus auf den Digital Workplace und verwandte Themen. Er ist verantwortlich für das Erstellen und Ausführen dedizierter Forschungs- und Beratungsprojekte in diesem Bereich. Zu seinen weiteren Aufgaben zählt die Weiterentwicklung der Content Marketing Services von PAC.

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